Gery Seidl (oder zumindest seine Bühnenversion) ist ein Druckkochtopf. Er zischt eine gewisse Zeit vor sich hin, bis er irgendwann aus ihm heraus muss, der Grant auf all die Dinge, die ihn ärgern. Und so regt er sich auch in seinem neuen Programm immer wieder über Widrigkeiten des Alltags auf. Es ist aber nicht einfach schnöde Alltagssatire auf Schenkelklopferniveau, sondern Seidl macht sich auch sehr viele Gedanken über sehr ernste Dinge von Digitalisierung bis Klimawandel.

Und so ist der ökologische Fußabdruck unserer "ver-appten Ellbogenwelt" ein großes Thema - das er freilich geschickt in flotte Geschichten verpackt, sei es ein Skitag oder eine Fahrt mit dem Camping-Anhänger, bei der er in einem norddeutschen Kaff auf einem Golfplatz landet. Und es geht dabei mehr als bloß ums Skifahren und Campen mit Hitech-Equipment, sondern Seidl wird zwischendurch auch recht philosophisch.

Die Konstante in seinem Programm ist sein Freund, "der Kurtl", der noch völlig analog funktioniert - und trotzdem sogar einen Hofrat in der Hand hat. Wie Seidl diesen und seine anderen Figuren vor dem Publikum ausbreitet, zeugt von großem schauspielerischem Talent. Es wird jedenfalls an keiner Stelle fad. Dafür ist der Mann auf der Bühne viel zu energiegeladen.