Das neue Programm von "Wir Staatskünstler" im Wiener Rabenhoftheater als pointierte Abrechnung mit dem politischen Establishment. Es gibt einen Moment, da bleibt das Lachen kurz im Halse stecken. Dieser bewusste Augenblick, in dem man aus seinem Lachen herausgerissen wird und sich der Realität stellen muss. Eine Sekunde der Bewusstwerdung, die einem so selten passiert. Dann nämlich, als der Schwarz-Weiß-Film von einem Treffen Adolf Hitlers und Arthur Seyß-Inquarts in einer Villa am Starnberger See im Gespräch mit einer vermeintlichen deutschen Rüstungsindustriellennichte aus dem Hause Thyssen, nach Allmachtsfantasien über die Weltherrschaft und in Aussicht gestellte Rüstungsgelder, mit den Worten "Das muss natürlich alles rechtskonform und legal vor sich gehen" endet. So gut und eindringlich spielen die Staatskünstler die Ibiza-Ereignisse im neuen Setting nach, dass man irgendwann vor lauter Lachen nur mehr ob der politischen Entwicklungen traurig sein kann.

Die "Staatskünstler" Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba, die bei der Premiere im Rabenhoftheater auch ihr neues Buch präsentierten, schaffen eine pointierte Abrechnung mit dem politischen Establishment - sowohl vor als auch nach der Wahl. Und, so viel vorweg, alle Parteien bekommen ihre Abreibung. Also fast alle, Peter Pilz fehlt an diesem Abend, aber da gab es ja auch wenig zu lachen. Von Ibiza über den Eröffnungsgag "die Richtung stimmt" bis hin zu möglichen Koalitionsverhandlungen zwischen Türkis und Grün und der Rückkehr zu der FPÖ und den "Einzelfällen" spannen die Staatskünstler im neuen Programm "Jetzt erst recht!" einen Bogen um die wesentlichen politischen Ereignisse.

Scheuba, Maurer und Palfrader präsentieren sich wieder einmal in Höchstform und bilden zudem auch alle stilistischen Kabarett-Elemente ab, die derzeit gerade en vogue sind: von Gesangseinlagen - absolut empfehlenswert - über eingespielte Filme, die mittlerweile obligatorischen Besuche von Kabarettisten vor Ort, in diesem Fall unter anderem das KTM-"Museum" in Mattighofen oder eine FPÖ-Rückzugsvilla in Osttirol für die Führungsriege (und auch hier die Frage, ob Strache eigentlich noch rein darf?), und grandiose Zeichnungen von Gerhard Haderer reicht die Palette an diesem Abend.

Die Leichtigkeit des Humors

Man könnte in den heutigen Zeiten schnell dem Irrglauben erliegen, dass es Kabarettisten derzeit unglaublich leicht haben, sofern sie politisches Kabarett machen, doch wie will man stets neue Höhenflüge des Undenkbaren eigentlich satirisch toppen? Im Falle der Staatskünstler gelingt es absolut. Und nicht nur der Rückblick gelingt, auch der Ausblick. So wird etwa das Wahlkampfvideo der FPÖ mit der Paartherapie von Norbert Hofer und Sebastian Kurz persifliert, wenn auch mit anderen Akteuren (Beate Meinl-Reisinger, Werner Kogler und Sebastian Kurz). Die Koalitionsverhandlungen sind ein zentrales Element im Programm und erweisen sich als Quell spannender Gedankenspiele. Und was würde eigentlich Sebastian Kurz ("die politische Entsprechung zu Granderwasser") nach seiner politischen Karriere machen? Einen Job beim US-Konzern Apple vielleicht? Oder entdeckt er seine grüne Ader? Möglicherweise ruft das Studium?

Wer weiß, aber unterlegt mit den Karikaturen von Haderer ein Hochgenuss. Und wenn die ÖVP auch noch YouTube für sich entdeckt, dann stellt sich diese Frage eigentlich gar nicht, denn dann werden die Jugendlichen von Videobotschaften nur so überschwemmt werden.

Zum Drüberstreuen geben die drei Kabarettisten der Politik noch eine Anleitung für wirklich gute Korruption mit auf den Weg. Damit Ibiza nicht nochmals passiert und jeder weiß, wer, wann, wie und warum schmiert. Es wäre doch so schön mit mehr Transparenz und so viel ehrlicher. Ein sehr gelungener, unterhaltsamer Abend, der zeigt, dass es mehr politisches Kabarett in diesem Land geben sollte, aber wirklich nur auf den Brettern, die die Welt bedeuten und nicht mehr im Parlament.