Nur Narren ändern ihre Meinung nicht, heißt es. Wer aber fünf vor zwölf umdenkt - und das in einer Chefetage -, zettelt einen Stresstest an. Das Kunsthistorische Museum kann ein Lied davon singen, seit sein designierter Leiter Eike Schmidt abgesagt hat, um auf seinem Uffizien-Thron zu verweilen.

Wer darum nun in Sorge ist, dem sei zur Beruhigung ein Besuch der Staatsoper empfohlen. "Ariadne auf Naxos" schildert ebenfalls einen dubiosen Beschluss in letzter Sekunde - ein Schaden für die Kunst bleibt aber aus. Der reichste Mann von Wien ordnet die gleichzeitige Aufführung einer Tragödie und einer Komödie an - und erhält dank Richard Strauss’ Oper in der Oper ein Meisterwerk.

Zwitschernde Zerbinetta

Das schnurrt nun wieder mustergültig über die Jugendstilbühne von Sven-Eric Bechtolfs Regie: Kate Lindsey verleiht der Figur des geplagten Komponisten silbrige Zornestöne, Jochen Schmeckenbecher versucht als grundsolider Musiklehrer zu beruhigen. Adrianna Pieczonka steigert sich zum Kraftzentrum des Theaters im Theater: Was ihrer Ariadne an vokaler Rundung fehlt, macht sie mit gramvoller Grandezza und Attacke wett. Stephen Gould holt sie zuletzt in sein Liebesboot: ein klangharter, aber herzlicher Bacchus. Dazu bringt Hila Fahima den Fremdkörper Komödie ein: eine zwitschernde Zerbinetta, die der leichtherzigen Rolle entsprechende Töne verleiht. Svetlina Stoyanova (Dryade) betört daneben mit blühender Mezzo-Fülle, während Dirigent Michael Boder im Orchestergraben Schmiss und Schmelz vereint: Begeisterung.