Auffällig war vor allem ein Anstieg der Aufwendungen im Geschäftsjahr 2017/2018, wobei sich unter anderem gestiegene Kosten für künstlerische Leistungen und Musik negativ auswirkten. Laut Volkstheater ergaben sich diese durch einige große Produktionen. Der Rechnungshof empfand die Ausgaben angesichts der finanziellen Situation der Bühne aber als "nicht angebracht".

Auch der vom Rechnungshof geortete Anstieg der Kosten für Tantiemen wurde kritisch beäugt. Der Stadt-RH erinnerte daran, dass schon 2003 dem benachbarten Theater in der Josefstadt im Sanierungskonzept empfohlen worden sei, vorzugsweise tantiemenfreie Stücke auszuwählen. Dem Volkstheater wurde ebenfalls eine diesbezüglich "bewusste Auswahl" an Aufführungen nahegelegt.

Bemängelt wurde auch die Ablauforganisation. Eine systematische Dokumentation der wichtigsten Betriebsabläufe fehle: "Im Wesentlichen leitete sich das Handeln der Mitarbeitenden aus der Verfolgung des Gesellschaftszweckes, aus einzelnen Dienstanweisungen sowie den gewohnten Abläufen ab." Eine interne Revision wurde ebenfalls vermisst. Der Rechnungshof konstatierte "dringenden Reformbedarf". Um darzulegen, wie die Situation verbessert werden könnte, zogen die Prüfer das Josefstadt-Sanierungskonzept aus dem Jahr 2000 zurate. Darin sind unter anderem kurzfristige finanzielle Beiträge der Mitarbeiter, preiswertere Inszenierungen, flexiblerer Personaleinsatz, eine Reform des Zulagensystems, aber auch eine "ansteigende Subventionslinie", also mehr Geld, um die Personalkostensteigerungen abzudecken, angeführt.

Dies alles mündet in der Forderung, auch für das Volkstheater ein Sanierungskonzept zu erarbeiten. Die Gesellschaft stellte ein solches in einer im Bericht erhaltenen Stellungnahme tatsächlich in Aussicht: "Im Rahmen der 3-Jahres-Planung für den Zeitraum nach der Sanierung des Volkstheatergebäudes ist vorgesehen, alle Bereiche auf Einsparungs- und Effizienzpotenziale zu prüfen. In Summe soll dadurch eine nachhaltig stabile wirtschaftliche Situation herbeigeführt werden."

Umstrukturierung folgt

"Im künstlerischen Betrieb wird stets auf die schwierige wirtschaftliche Lage des Hauses Rücksicht genommen", betonte der kaufmännische Geschäftsführer des Volkstheaters Wien, Cay Stefan Urbanek, in einer kurzen schriftlichen Stellungnahme zum RH-Bericht. Der Betrieb werde gerade einem umfassenden Umbruch unterzogen. "Die Sanierung des Gebäudes und die Bestellung von Kay Voges als künstlerischer Direktor ab September 2020 führen zu grundlegenden Veränderungen im Betrieb und den künstlerischen Schwerpunktsetzungen", so Urbanek.