Einen deutschen Satz kann John Cleese schon. Der lautet: "Ich kann mit einem Eierlöffel Fledermäuse töten." Michael Niavarani wird ihm an diesem Abend in Neu Marx noch einen weiteren beibringen. Also, einen im weitesten Sinne deutschen: "I beiß da a Stiagn in Oasch, dass si da Schaß dastesst." Das ist ziemlich lustig, weil der Satz selbst schon sehr lustig ist. Aber es ist auch unterhaltsam, wie sich der Großmeister des schwarzen Humors diese Worte aus dem tiefsten Floridsdorf mit sehr viel Würde entstößt. Und es ist außerordentlich amüsant, wenn Niavarani ihm dann noch übersetzt, was es mit der "Staircase" im Hinterteil so an sich hat.

Das ist einer der wenigen Momente, in denen Michael Niavarani Oberwasser gegenüber seinem prominenten Gast hat. Denn meistens ordnet er sich, ganz der höfliche Gastgeber, der Präsenzwucht des "Monty-Python"-Mitbegründers unter. Auch im eigenen Interesse: Sonst kommt er nämlich buchstäblich unter Wasser. Das Trinkglas von John Cleese sitzt ganz schön locker.

Winkende Nasenhaare

Eine brennende Frage wird früh beantwortet: Warum Cleese sich überhaupt dazu herablässt, in einem Wiener Theater im Schatten der Südosttangente mit einem dicken behaarten Perser auf der Bühne zu stehen - ein Weltstar wie er! Die beiden haben einander kennengelernt, als Cleese im Vorjahr in der Stadthalle mit seinem Programm "Last time to see me before I die" zu Gast war. Und die Humor-Chemie stimmte so sehr, dass ein gemeinsames Programm auf der Hand lag. Außerdem, so Cleese (Weltstar!), habe ihm Niavarani (kein Weltstar) leidgetan.

Danach ist der Weg frei für ein Gespräch über jeweilige Spezialthemen der beiden: Cleese erzählt über Nasenhaarwachstum im Alter ("Sie werden weiß und winken!") und Niavarani bringt ein paar seiner beliebten Perser-Witze an. Letzterer wagt es aber auch, Cleese darauf anzusprechen, dass er London verlassen habe aus "xenophoben Gründen", wie ihm vorgeworfen wurde. So etwas könnte einen bunten Abend schon einmal sprengen, aber beiden gelingt es, auch dieses heikle Thema mit Heiterkeit durchzuwinken. Außerdem hat Cleese Gelegenheit, seine durchaus beachtlichen Bibelkenntnisse auszubreiten - auch wenn ihm das Publikum und wahrscheinlich auch Michael Niavarani ein bisschen aussteigt bei seinen Ausführungen über die Erbsünde. Auch irgendwie lustig.

Ein Großteil der Show ist aber eine Art Kommentierte "Monty Python"-DVD-Ausgabe de Luxe: Nicht wenige Videoclips der legendären Truppe, deren Gründung sich kürzlich zum 50. Mal jährte, werden gezeigt und Cleese erzählt im Plauderton, wie es zur jeweiligen Idee gekommen ist, und erklärt, warum man eigentlich gerade gelacht hat. Und dass man ohne einen tüchtigen Tabubruch jetzt genau gar nicht gelacht hätte - ein Hochglanz-Comedy-Kursus.

Dazwischen streut er Anekdoten von seinen Bühnenreisen, wie jene von der Dame in den USA, die während einer Show aufgestanden ist und ihn ganz ernst gefragt habe, ob die Queen Diana umgebracht habe. Ja, das muss man schon ausnützen, wenn man mal einen britischen Insider zur Hand hat.

Michael Niavarani hat ein ähnliches Konzept bereits mit Harald Schmidt durchgezogen. Im Vergleich dazu ist er mit John Cleese gelöster, bei Schmidt ging ihm vor lauter Respekt mitunter der Schmäh aus. Das passiert hier nicht, und das trotz der Tatsache, dass er erstmals auf Englisch so ein Programm hinlegt. Was wiederum auch so manchen Gag, sei es auf Kosten des Publikums oder der Briten, generiert.

Cleese wiederum zeigt, dass er schwarzen Humor auch an sich selbst anwenden kann - was sein Alter (79) und sein bevorstehendes Lebensende angeht. Auch da steigt Niavarani drauf ein, etwa wenn er fragt: "Lachst du noch oder stirbst du schon, John?" Fast so ein gutes Lebensmotto wie der zutiefst österreichische Programmtitel "Hoffnungslos, aber nicht ernst."