Das Theater kann manchmal ungerecht sein. Selbst ein überaus packender Text, der existenzielle Fragen aufwirft und überraschende Antworten findet, sowie eine präzise Inszenierung mit ausgeprägtem Willen zur Form, führen mitunter nicht zu einem rundweg geglückten Ergebnis.

Was ist also bei der Uraufführung von Philipp Weiss’ Endzeit-Drama "Der letzte Mensch" in der Regie von Ingrid Lang im Theater Nestroyhof/Hamakom schiefgegangen? Der Text entwirft drei hypothetische Zukunftsszenarien, die die Hauptfigur Liv van der Meer nacheinander durchlebt. Dabei spannt Weiss einen dialektischen Bogen - von der völligen Vernichtung der Erde, über eine Exit-Strategie, bis hin zu einer utopischen Vision, in der neuartige Fabelwesen die Welt bevölkern, diese hybriden Mensch-Maschine-Tier-Pflanze-Wesen bauen den geschändeten Planeten wieder auf. Der Autor nimmt in "Der letzte Mensch" Anleihen am Transhumanismus und überführt diese Ideen in einen poetisch-eigenwilligen Monolog, den die Regisseurin auf drei Schauspielerinnen verteilt.

Das Bühnenbild von Vincent Mesnaritsch besteht aus drei Spielorten - gläserner Kubus, Podest und Liegefläche - die parallel von Theresa Martini, Ana Grigalashvili und Daria Ivanova bespielt werden. Herausragend sind jedenfalls die Videoprojektionen von Jakob Figo, Thomas Planitzer und Jakob Hütter, die eine geradezu kosmisch-überirdische Atmosphäre erzeugen, an der man sich nicht sattsehen kann. Die Szenerie, unterstützt von Karl Stirners sphärischen Klängen, wirkt phasenweise, als ob die Akteurinnen wirklich nicht mehr von dieser Welt wären.

Doch die 170-minütige Aufführung verliert im Lauf der Handlung an Präzision. Was anfangs von Regisseurin Ingrid Lang punktgenau durchkomponiert wurde, franst zunehmend aus, verliert an Kontur und wird dadurch langatmig. Schade.