Ein Bericht des Stadtrechnungshofes konstatiert beim Volkstheater dringenden Reformbedarf. Die "Wiener Zeitung" sprach darüber mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Cay Stefan Urbanek.

"Wiener Zeitung":Der Rechnungshofbericht spricht von einer Auslastung von nur 56 Prozent. Was hat man dagegen unternommen und wie war das Gesprächsklima zwischen Ihnen und der künstlerischen Leiterin Anna Badora?

Cay Stefan Urbanek: Wir standen in intensivem Austausch über die Entwicklung des Hauses. Die künstlerische Leitung hat sich intensiv mit den Zahlen auseinandergesetzt und ist immer verantwortungsvoll mit den finanziellen Mitteln umgegangen. Klar ist aber auch, dass ich als Geschäftsführer nicht in künstlerische Entscheidungen eingreifen kann. Ein Patentrezept, wie man das Haus füllt, hätte ich auch nicht gehabt. Man muss die Zahlen zur Kenntnis nehmen.

Cay Stefan Urbanek. - © apa/Punz
Cay Stefan Urbanek. - © apa/Punz

Ein Vorwurf aus dem Bericht betrifft Zulagen ohne Kontrolle. Wie konnte das passieren?

Grundsätzlich sind Zulagen im Kollektivvertrag und in Betriebsvereinbarungen geregelt. Manche historisch gewachsenen Ansprüche mögen aus Sicht des Rechnungshofes anachronistisch erscheinen, dennoch muss ich mich an bestehende Verträge halten. Ich kann keine Wunder wirken und nur schrittweise etwas verändern. Die Empfehlung, diese Zulagenzahlungen regelmäßiger zu kontrollieren, als es bisher geschehen ist, nehmen wir durchaus ernst.

Wie steht es mit der Empfehlung, eine interne Revision aufzubauen?

Das haben wir schon seit längerem vor und haben es bisher nur aus Kostengründen vertagt. Nach dem Umbau werden wir uns damit und mit einer Optimierung der Betriebsabläufe beschäftigen.

Der Rechnungshof wies auch auf hohe Überstunden bei der Technik hin. Ist das ein Planungsfehler?

Nein, das ist Absicht. Um unsere knappen Personalressourcen bestmöglich einzusetzen, arbeiten unsere Techniker in einer Schicht, die von den Vormittagsproben bis zur Abendvorstellung reicht. Überstunden sind dabei unvermeidlich und auch kalkuliert.

Zuletzt hatte das Haus einen Eigendeckungsgrad von 19,7 Prozent, ist das im Vergleich zu anderen Häusern angemessen?

Natürlich ist da noch Luft nach oben, aber verglichen mit dem gesamten deutschsprachigen Raum können sich die Zahlen sehen lassen. Wir gehen verantwortungsvoll mit Steuergeldern um und erzielen durchaus Kartenerlöse in einer Höhe, die nicht selbstverständlich ist. Außerdem haben wir, anders als der Quotenführer Staatsoper, ein stark differenziertes Preisbild, um auch niedrige Eintrittspreise zu ermöglichen, was dem Selbstverständnis eines Volkstheaters entspricht.

Der Ruf nach einem Sanierungskonzept wurde laut, nun haben Sie aber ab 2020/21 mit Kay Voges einen neuen Intendanten. Wie kann ein künstlerischer Neustart mit Einsparungen gelingen?

Unsere Zahlen mögen nicht strahlend aussehen, aber wir stehen nicht mit dem Rücken zur Wand, wie es jüngst beim Burgtheater der Fall war. Es geht um eine Fortentwicklung bei den Kosten- und Einnahmenpositionen, um Spielraum für künstlerische Projekte zu schaffen.

Werden Sie unter Kay Voges weiterhin Geschäftsführer sein?

Ich habe einen aufrechten Vertrag und gehe davon aus, dass ich künftig das Team um Kay Voges unterstützen werde.

Erhält das Haus mehr Subvention?

Die Mittel müssen erhöht werden, um das Haus neu zu etablieren und eine stabile Situation zu schaffen. Von der Stadt Wien wurde uns bekanntlich eine Erhöhung von zwei Millionen Euro in Aussicht gestellt, auch der Bund muss seiner Verantwortung nachkommen.

Warum gibt es am 17. Oktober eine Benefizveranstaltung für die Mitarbeiter des Volkstheaters?

Wir haben nicht die finanziellen Mittel, um alle Kollegen während der Schließung aufgrund der Sanierung durchgehend zu beschäftigen. Von Anfang Mai bis Ende August 2020 kommt es daher zu einer Beschäftigungsunterbrechung. Der Betriebsrat hat auf Eigeninitiative einen Solidaritätsfonds ins Leben gerufen, um in sozialen Härtefällen Unterstützung anbieten zu können. Alle Einnahmen der Benefizveranstaltung gehen in diesen Fonds.