Roadmovies, ob im Film oder auf der Bühne, haben etwas Bestechendes. Man kann so ziemlich alles hineinpacken, von melancholisch bis dramatisch, von grausam bis poetisch. Was verbindet, ist schon alleine die Strecke, die die Protagonistinnen, im Falle von "Rule of Thumb (Daumenregeln)" sind es Ana und Monika, zurücklegen müssen. Ob zu Fuß, per Autostopp oder, wie in Nina Kusturicas Inszenierung, eben in Rollschuhen. Das funktioniert (fast) immer. Denn egal, ob es Lebende oder Tote, freundliche oder gefährliche Wesen sind, denen man begegnet: Etwas verändert sich, lässt die Geschichte, wie die Straße, in jedem Fall weiterziehen.

Ana und Monika gehen ihr "aufregendes Abenteuer sehr naiv" an, heißt es in Iva Brdars europäischer Reisegeschichte, die vom Norden in den Süden, von der Sicherheit der Gewohnheit ins Niemandsland der Verlorenen führt. Angenehm sind die Begegnungen nicht. Zu viele von der Gesellschaft Ausgespuckte oder gar nicht in ihr Angekommene sind es, die den Tramperinnen einen Platz in ihrem Wagen anbieten, um sie dann auf die eine oder andere Weise vom eigentlichen Ziel, das den Namen "Sieg" trägt, abzuhalten.

Dass die beiden jungen Frauen irgendwann selbst zu Mörderinnen werden, ist der "Faustregel" des Genres wohl so immanent wie der Logik ihrer Reise. Eine schräg über die Bühne laufende Wellblechwand wird bei Kusturica zur Spiel- und Projektionsfläche, eine Sängerin spricht zwischendurch die Szenenanweisungen, und die drei Darsteller diskutieren hie und da, in welche Rolle sie in der nächsten Szene schlüpfen werden. Und wenn gar nichts hilft, wird eben gesungen.