Franck Edmond Yao hechtet auf die leer geräumte Bühne des Werk X und palavert mit großer Geste irgendetwas auf Französisch daher, Hauke Heumann springt ihm als Simultanübersetzer zur Seite.

Auf dem Spielplan steht "Geschichten aus dem Wiener Wald". Ödön von Horváths bekanntes Volksstück rund um Mariannes unaufhaltsamen Abstieg wird hier in Form eines launigen Erzähltheaters dargebracht. Das vierköpfige Ensemble aus Schwarzafrika jongliert lässig mit Rollen und Posen, bringt wohl Eckpunkte des Stücks, aber unterbricht den Erzählfluss laufend mit Kommentaren, Improvisationen und Exkursen - etwa zur Geschichte der Rhythmischen Gymnastik, Mariannes Lebenstraum, dann wiederum wird auf den gegenwärtigen Rechtsruck hingewiesen. Die Hauptlast der 90-minütigen Aufführung trägt Hauke Heumann, der als hellwacher Mitspieler die französischen Monologe der anderen Performer ins Deutsche übersetzt.

Regie führte das Künstlerkollektiv Gintersdorfer/Klaßen, das die interkulturelle Arbeitsweise längst zum Programm erhoben hat. Erzähltraditionen und Spielweisen aus Afrika und Europa geraten hier zum Spielball und werden zum eigentlichen Inhalt der Inszenierung. Ein durchaus charmanter und gewitzter Zugang, aber der inhaltliche Mehrwert ist zumindest im Fall Horváths etwas fraglich, die Äußerungen zum Stück erwiesen sich doch als etwas banal. Höhepunkt der Inszenierung war jedenfalls die Musik von Natalie Ofenböck und dem Nino aus Wien. Mehr davon!