Nikolaus Habjan als Dirigent Karl Böhm. - © www.lupispuma.com
Nikolaus Habjan als Dirigent Karl Böhm. - © www.lupispuma.com

Mit Standing Ovations bedankte sich das Publikum für das Wien-Gastspiel des Grazer Schauspielhauses. Tatsächlich war "Böhm" für und mit Nikolaus Habjan ein Glücksgriff. Hochgatterer hat das Stück dem Puppenspieler, -bauer und Regisseur auf den Leib geschrieben, das zugleich dessen ganze Kunst wie auch, ohne je mit der vollen historischen Belehrungsmaschinerie aufzufahren, die "Kunst" der österreichischen Nichtaufarbeitung in sich birgt.

Dass im Zentrum ein lebensmürrischer alter Mann im Rollstuhl steht, der in der Begegnung mit seinem Pfleger und dessen Schwester das Leben des großen österreichischen Dirigenten aufrollt, ohne dabei in die biografische Chronologiefalle zu tappen, gehört ebenso zu den Stärken des Abends wie Habjans beeindruckendes Spiel mit Puppen unterschiedlicher Größen und Spielweisen. Habjan befasst sich seit Jahren in seinen Arbeiten mit Fragen von (Selbst-)Verrat, Schuld und deren - zumeist nicht vollzogenen - "Aufarbeitung". Und so untersucht auch "Böhm" die Mechanismen von als Mitläufertum entschuldigter Täterschaft. Karl Böhm - NS-Staatsoperndirektor von 1943 bis 1945 und erneut nach dessen "Entnazifizierung" ab 1954 - weiß, wie er das Publikum "packt".

"Der Musik muss das Politische egal sein", lautet seine Erklärung, die, das macht die auf Habjans Spiel konzentrierte Inszenierung deutlich, keine "Entschuldigung" sein darf, keine Wahrheit sein kann. Am Ende stürzt die Büste eines Großen in den Abgrund einer unmöglichen "Wiedergutmachung". Ein starkes letztes Bild an einem gewichtigen Abend.