Havanna. Von ihr trainiert worden zu sein, war ein internationales Gütesiegel dafür, in der Riege der Stars des klassischen Balletts angekommen zu sein, ihre 1948 gegründete Kompagnie gilt als eine der besten der Welt und bietet Ballett in seiner Reinkultur: Am 17. Oktober ist die Ballett-Ikone und Prima Ballerina assoluta Alicia Alonso 98-jährig in ihrer Heimatstadt Havanna verstorben.

Die Karriere der Grande Dame, die bis zuletzt immer geschminkt und elegant gekleidet in Erscheinung trat, umfasste 75 Jahre und prägte die Tanzgeschichte maßgeblich: 1920 in Havanna geboren, heiratete sie mit 16 Jahren den Ballettkollegen Fernando Alonso (1914-2013) mit dem sie nach New York ging und ihr erstes Engagement 1938 am Broadway erhielt. 1939 tanzte sie in George Balanchines Ensemble "Caravan", ein Jahr später wechselte sie als erste hispanoamerikanische Tänzerin in das American Ballet Theatre, dem sie bis 1959 als Solistin treu blieb. Sie gastierte zuerst als Tänzerin dann als Choreografin an allen großen Opernhäuser weltweit - 1980 zeigte die Wiener Staatsoper ihre "Giselle"-Version.

Bereits 1941 wurde sie mit der Diagnose Netzhautablösung konfrontiert, die sie erblinden ließ: "Ich tanze in meinem Kopf", sagte sie immer wieder, die Augen brauche sie dafür nicht.

Nach dem Sieg der Revolution auf Kuba wurde Alonsos Kompanie in Ballet Nacional de Cuba umbenannt. Sie leitete das Ensemble bis zu ihrem Tod.

Zeit ihres Lebens blieb sie eine Unterstützerin des kubanischen Sozialismus, 2003 unterschrieb sie den offenen Brief kubanischer Künstler, in dem die Kritik an den Menschenrechtsverletzungen in Kuba als "Verleumdungskampagne" zurückgewiesen wurden.