Handys bedeuten Kinderarbeit im Kongo. Denn dort wird das Coltan geschürft, das zur Herstellung von Elektrolytkondensatoren notwendig ist. Ein klarer Fall von Kinderausbeutung zugunsten der westlichen Konsumgesellschaft.

Szenenwechsel: Drei Kinder sind überbehütet (der "Zuckerengel"), sollen sich den Wünschen ihrer Eltern fügen (Damian) oder sind deren Prellbock (Nora). Das Mobbing in der Schule schweißt sie zusammen. Sie suchen eine neue Schule, die ihren Vorstellungen entspricht - und die heißt in der Begegnung mit den kongolesischen Arbeitssklavenkindern: Leben. Streik und Aufbegehren gegen die Ausbeuter folgen. Am Schluss hauen die zwischenzeitlich wieder heimgebrachten Kinder in die revolutionäre Utopie nach Afrika ab.

Dem "Zuckerengel" ist zum Schreien zumute: Miriam Messinger. - © Igor Ripak
Dem "Zuckerengel" ist zum Schreien zumute: Miriam Messinger. - © Igor Ripak

Die Künstlergruppe "Die Schweigende Mehrheit" unter Leitung von Tina Leisch entfesselt in "Kinderfressen leicht gemacht" einen Kinderkreuzzug für eine bessere Welt. Statt Lanzen werden den Erwachsenen erhobene Zeigefinger entgegengestreckt. Wir wollen Bildung - und Schulstreik am Freitag! Verschwörungstheorien werden gestreift, die ominöse "listige Gesellschaft" soll von den wahren Schuldigen ablenken. Die Kinder haben Szenen und Texte selbst entwickelt. Kommen auch die wutverkrampften Attacken auf Kirche und Staatsführung von ihnen, oder sind sie von den Exponenten veralteter Agitprop-Manieren in diese Richtung gestupst worden?

Aber die Kinder spielen sagenhaft gut. Bei vielen darf man von Charisma schwärmen. Mancher ihrer Texte ist unerwartet poetisch: "Ich wäre gerne ein Sonnenstrahl, der das Wasser zum Glitzern bringt." An diesen Stellen überzeugt das Stück.

Am Ende zücken die Eltern im Publikum die Handys zwecks Erinnerungsfotos. Die Lehre des Lehrstücks: Sie ist verpufft.