Doris Uhlich bleibt ihrem Konzept treu: Sie lässt wieder das Fleisch tanzen. Diesmal jedoch ist es ein Megaprojekt: 120 Profi- und Laien-Performer versetzt sie in der Halle E des Tanzquartiers Wien nackt in Bewegung.

Ein Sänger auf der Galerie begrüßt die Zuschauer mit Ohrwürmern von Madonna oder Patti Smith. Er ist nackt und singt a cappella. Verstreut auf der für Zuschauer nicht zugänglichen Tribüne und an den aufgestellten kleinen Sitzstufen auf den Seiten oder auch im Raum liegen, sitzen oder springen Performer, die mit den Rädern ihrer Rollstühle hantieren, unbeweglich zusammengerollt sind oder durch den Raum hetzen. Die Zuseher können sich frei bewegen. Und das werden sie im Lauf der zweieinhalb Stunden dann auch - vorerst sitzen sie jedoch noch auf dem Boden.

Und dann betreten die weiteren 107 Performer zügig den Raum, formieren sich eng aneinandergestellt in vier Gruppen. Die ersten Zuseher beginnen dazwischen herumzugehen. Es ist nie eine peinliche Fleischbeschau, vielmehr das Betrachten von menschlichen Skulpturen aus Jung und Alt, aus sportlich bis im Rollstuhl sitzend. Diese Standbilder vermengen sich später zu einem großen, um dann das Fleisch des Anderen in Bewegung zu setzten. Irgendwann löst sich das Körpergebilde auf, und zu den Beats von DJ Boris Kopeining wird geravt, geschüttelt, gesprungen in immer wiederkehrenden Bewegungen sehr nah am Betrachter. So nahe, dass man die Körpergerüche wahrnehmen kann. Es geht hier niemals um Sexualisierung oder Erotik, sondern rein um Körper und ihre Geschichten.
Die Performance hat die Atmosphäre eines Happenings, dann einer Rave-Party oder auch eines Ausstellungsraums. Die Übergänge zu den sich manchmal in anderer Zusammensetzung wiederholenden Szenen sind oftmals schleppend. Dennoch: Uhlich gelingt eine durchaus beeindruckende Weiterentwicklung ihres Konzepts der nackten Körper