Eigentlich hatte das Werk X mit "Try to be Lulu" seit über einem Jahr eine aktuelle Adaption des Wedekind-Klassikers angekündigt. Nun ist es aber die 2006 uraufgeführte, zwischen doppelten, schwankenden und einstürzenden Böden lauernde Komödie "Dunkel lockende Welt" des 1969 in Tirol geborenen Erfolgsautors Händl Klaus geworden.

Die Programmrochade hat sich ausgezahlt. Regisseur Nurkan Erpulat, vor allem bekannt durch "Verrücktes Blut" (2010) und heute Hausregisseur am Berliner Maxim Gorki Theater, verstrickt die drei ihre Rollen genüsslich zelebrierenden Darsteller - Constanze Passin als erschöpft-hysterische junge Gutmensch-Ärztin Corinna Schneider, Wojo van Brouwer als sein wildes Haar grandios zwischen Einsamkeit und Wahnsinn wirbelnder unheimlicher Vermieter Joachim Hufschmied und Wiltrud Schreiner als Corinnas wortrauschgewaltige, sexfreudige Mutter, die Biologin Mechtild - in eine wahre Komödienparade zwischen skurrilem Slapstick vom Feinsten, herrlich grobem Klamauk und dennoch fein gesponnenem Zwischen-den-Zeilen-liegt-
der-Abgrund-Humor.

Unheimlich - und unheimlich komisch - ist hier alles von Beginn an. Nichts bleibt im Haus der Geheimnisse, das am Ende in Schutt und Altkleiderbergen versinkt, an seinem Ort, nichts wird aufgelöst in dieser "Familiengeschichte", die, ganz dem Wunsch des Autors gemäß, hier in aller durchdeklinierten Strenge der Form "geil zerfetzt" wird. "Ich will ja auch was davon haben!", wünscht sich der Autor im Programmheft. Mit diesem Abend ist das voll in Erfüllung gegangen.