Er sieht aus wie ein indischer Elefant, kommt aus der Werkstatt des Showpuppenbauers Mervyn Millar und hat einen afrikanischen Vetter schon lange als Attraktion im Londoner "Circus 1903". Vier Zweifüßler unter der grauen Dickhaut, die ausschaut wie eine Flickendecke ohne Nähte, bewegen ihn artgemäß – eine schweißtreibende Meisterkunst! Er wachelt mit den Ohren, läuft im Stand, weicht erschreckt vor Menschlein zurück, die ihm den Stahlhaken entgegenhalten. Die Engländerin Gillian Cross gab ihm in ihrem hochgeloben Kinderbuch "The Great Elephant Case" (1992) den Namen "Khush". Das heißt auf Hindi "Glück", klingt aber deutsch wie "schleich dich".

Alle lieben Khush auch in der deutschen Fassung mit dem Titel "Wie versteckt man einen Elefanten?" Doch wieviel durchschauen die kleinen Gäste (eingeladen ab sieben) in diesem Versteckenspiel in der Regie Ingo Berks und Mervyn Millars?

Bildungsgut und Tantenrhetorik

Zwei Waisenkinder fliehen vor einem Gangsterpaar, das ihnen den Rüssler abjagen will. In die 1881 vom Norden zur Südküste der USA driftende Story sind mit lexikalischer Akribie Kinowesternsaloon-Zitate, Rassenkonflikte, Rauschebartchristen vom Amish People und Bürgerkriegsnachwehen eingewoben. Bildungsgut also, nicht jedem Maturanten vertraut. Strebt der Spieltext nach Kindgerechtheit, entblößt die sich als dünne Tantenrhetorik. Merken sich Kinder Lehrsätzen fürs Leben wie "Man ist in eine Rolle hineingeboren" oder "Gefühle zu verstecken ist ungefähr so schwer wie Elefanten zu verstecken"?

Das Programmheft erklärt nur den Unterschied zwischen dem asiatischen und afrikanischen Elefanten. Statt für historische Stichwörter wird das Papier mit Direktionsbyzantinismus verbraucht. Neben Martin Kušej machen sich zehn Namen aus der Direktionsetage, darunter fünf aus der Dramaturgie, im ohnehin mageren Vierblatt-Leporello breit. Sowie ein Redakteur, sechs Grafiker, eine Fotografin und die Markennamen zweier Zierschriftenfonds.

Wer für sie im roten Frachtcontainer bereitsteht, ahnen auch die Kleinsten schon beim Betreten das Kasinosaals. Die Kleinste im Spiel ist Cissie – Maresi Riegner, zerbrechlich wie forsch. Sie dient ihrem mit einem Zirkuselefanten durch die Lande ziehenden Vater – Markus Kiepe mit Hexenmeistercharme – in einem Abzocktrick. Seine Wunderdroge heilt sogar ein lahmes Kind! Einmal aufgeflogen, wird er von den halbseidenen Brutalos erpresst und muss mit dem Elefanten per Bahn fliehen. Den dreien schließt sich der im Saloon von Eldorado als Sklave missbrauchte Tad an – Leonard Dick, ein dunkler Typ, zeigt Heimatlosigkeit in beklemmenden Nuancen. Vater wird auf einem Bahnhof tot aus dem Spiel genommen. Ein Zugzusammenstoß? Eine Explosion?

Geschichten formen die Gesellschaft

Khush, Cissie und Ted reisen weiter auf einem Floß im Fluss, kentern, schwimmen an Land. Das Schmuddelduo Gunther Eckes und Alexandra Henkel bleibt ihnen an den Fersen. Eine radikale Christengemeinde wird wie in einem Kuriositätenkabinett vorgeführt. Sie wankt zwischen Hilfsbereitschaft und Kopfgeldinkasso. Elisabeth Augustin steht den Flüchtigen als gute Fee bei. Zum guten Ende schnappt die Bösen die Polizei.

Pädagogisch zwangsoptimistisch auch die Schlussbotschaft, vom ganzen Ensemble ins jungalt gemischte Publikum gesprochen: "Wir formen die Welt neu, wenn wir Geschichten erzählen".