Der "Momo"-Regisseur Johanne Schaaf (hier auf einem Bild zu seinem 70. Geburtstag) machte sich unter anderem mit Mozart-Inszenierungen bei den Salzburger Festspielen einen Namen. - © APAweb / dpa/dpaweb
 Der "Momo"-Regisseur Johanne Schaaf (hier auf einem Bild zu seinem 70. Geburtstag) machte sich unter anderem mit Mozart-Inszenierungen bei den Salzburger Festspielen einen Namen. - © APAweb / dpa/dpaweb

Der deutsche Opernregisseur Johannes Schaaf ist tot. Er verstarb am Freitag mit 86 Jahren, wie seine Familie gegenüber den "Salzburger Nachrichten" bestätigte. Schaaf hatte sich im Laufe seiner Jahrzehnte dauernden Karriere als Mozart-Spezialist etabliert, der unter anderem auch bei den Salzburger Festspielen oder an der Wiener Staatsoper mit Arbeiten reüssierte.

Seinen Weg zum Musiktheater fand der am 7. April 1933 geborene Stuttgarter über das Schauspiel und das Kino. In den 70er-Jahren galt er als Leitfigur des neuen deutschen Films. Für seinen Film "Trotta" nach Josef Roths "Kapuzinergruft" (Drehbuch mit Maximilian Schell) erhielt er 1972 den Bundesfilmpreis. Mit "Traumstadt" (1973) bestätigte er seine Position. 1986 folgte die Verfilmung des Michael-Ende-Bestsellers "Momo".

Mitbestimmungsmodell für die Bühne

Während des Frankfurter Theaterstreits 1981 war er mit dem Versuch gescheitert, gemeinsam mit seinem damaligen Freund und Kollegen Wilfried Minks ein demokratisches Mitbestimmungsmodell für die Bühne umzusetzen. Schaaf verließ das Theater nach nur einer Saison. Über die Konfliktbereitschaft des rundlichen Mannes mit den langen Haaren um die hohe Stirn schrieb die "Süddeutsche Zeitung" 1991: "Schaaf sucht die Auseinandersetzung oder den Skandal nicht absichtsvoll - aber er lässt es notfalls, und dann gar nicht ungern, darauf ankommen!"

Diese Einschätzung bestätigte er einige Jahre später in Hamburg. Damals lehnte er die Berufung als Intendant der Hamburger Staatsoper ab, weil er "keine Oper der Repräsentation, sondern eine Oper der Inhalte" machen wollte. Schaaf hat schon früh Fesseln gesprengt. So war der Abbruch seines Medizinstudiums für ihn auch der Ausbruch aus den lutherisch-pietistischen Konventionen seiner Herkunft. Nach ersten Engagements in Ulm und Bremen wurde er 1973 Oberspielleiter der Münchner Kammerspiele. Am Wiener Burgtheater gab er 1977 seinen Regieeinstand. In Düsseldorf setzte Schaaf 1983 zunächst noch die Theaterarbeit fort, bevor er sich immer mehr seinen von Kritikern häufig hochgelobten Operninszenierungen zuwandte.

Er inszenierte in der Folge weltweit, nicht zuletzt bei den Salzburger Festspielen. Hier wurde etwa seine Strauss-Arbeit "Capriccio" 1985 umjubelt, der er 1987 "Die Entführung aus dem Serail" folgen ließ. Dieser Mozart-Interpretation folgte schließlich 1991 die Krönung, als Schaaf mit Mozartjahr bei den Festspielen "Die Zauberflöte" gestaltete. Ansonsten war der streitbare Theatergestalter an allen großen Häusern präsent - von der Dresdner Semperoper über die Bayerische Staatsoper bis zur Wiener Staatsoper. Hier gestaltete er mit der "Cosi fan tutte" 1989 und dem "Idomeneo" 1987 ebenfalls zwei Opern seines Stammkomponisten Mozart. (apa, dpa)