Politik und Leidenschaft, davon handelt Henrik Ibsens Stück "Rosmersholm". In der Originalvorlage aus 1886 ist Hauptfigur Johannes Rosmer ein Liberaler, der sich einer konservativen Übermacht gegenübersieht. Ulf Stengl hat für die Josefstadt den Klassiker auf den Kopf gestellt, Rosmer ist nun ein strammer Rechter, der gegen demokratische Grundwerte Sturm läuft.

"Theater muss politische Haltung beziehen, Farbe bekennen, Paroli bieten", sagt Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger. - © Robert Newald
"Theater muss politische Haltung beziehen, Farbe bekennen, Paroli bieten", sagt Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger. - © Robert Newald

Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger verkörpert den Protagonisten in der Regie von Elmar Goerden. Mit der "Wiener Zeitung" sprach er über das neue rechte Denken und warum seine Interviews im Haus so gefürchtet sind.

"Wiener Zeitung":Henrik Ibsens Dramaklassiker "Rosmersholm" wurde für die Josefstadt von Ulf Stengl umgeschrieben. Weshalb halten Sie die Fassung bis zur Premiere unter Verschluss?

Herbert Föttinger: Wir wollten verhindern, dass das Thema bereits im Vorfeld zerredet wird. Der Theaterabend soll überraschen. In groben Zügen bleibt das Stück ohnehin erhalten.

Die Hauptfigur Johannes Rosmer ist in der Josefstadt nicht mehr der linksliberale Freigeist, der sich gegen eine konservative Übermacht stemmt, sondern ein Rechter, der sich gegen die Grundwerte einer liberalen Gesellschaft stellt.

Im 19. Jahrhundert erschütterten demokratische und liberale Ideen das konservative Wertesystem. Heute greift rechtes Gedankengut die Grundwerte einer aufgeklärten Gesellschaft an. Wir haben die Figur komplett verändert - Ibsens Intention damit aber für unsere Zeit zugespitzt und verschärft. Der politische Diskurs gleicht in "Rosmersholm" einem Streichholz, das die Lunte zu Sprengung einer Beziehung entzündet. Wie bei Ibsen mündet dieser Vorgang in die Auslöschung zweier Menschen.

Wie weit rechts steht Ihr Rosmer?

Ulf Stengl zeigt in seiner "Rosmersholm"-Fassung auf, wie aus einem liberal denkenden Kulturwissenschafter ein wertekonservativer Rechter wird, ein Traditionalist, der meint, die deutsche Sprache und Kultur verteidigen zu müssen. Es geht ihm dabei vor allem darum, deutlich zu machen, wie leicht man von rechtem Gedankengut verführt werden kann.

Was bedeutet es eigentlich, heute rechts zu sein?

Der rechte Sektor stellt ein sehr breites Spektrum dar. Allein in Österreich reicht die Bandbreite von den extremen Positionen eines Martin Sellner, dem Chef der Identitären Österreichs, über diverse Burschenschaften bis zu demokratisch gewählten Parteien wie der FPÖ und neuerdings auch den Türkisen - Sebastian Kurz hat sie bekanntlich wortwörtlich als Mitte-rechts-Partei deklariert. Bei den vergangenen Wahlen hat ihm das offenbar nicht geschadet. Man muss also differenzieren, sich nicht von Ressentiments leiten lassen, vorsichtig im Umgang mit Begriffen sein. Die neuen Rechten sind ja geschickt: Sobald man sie als Nazis abstempelt, können Sie zu Recht behaupten, stigmatisiert zu werden. Das verhärtet die Fronten, macht die Rechten für manche sogar noch interessanter.