In den kommenden Tagen will das Wiener Burgtheater auch abseits der großen Produktionen "sehr geballt auf das Publikum zugehen": Unter dem Titel "Im Fokus: Demokratie" bietet man von 9. bis zum 12. November "Debatte, Literatur und Gespräch", so der Untertitel. Aber auch sonst hat man - vor allem im Kasino - in den kommenden Wochen viel vor, um "künstlerischen Ausdruck und Debatte zu vermischen".

Die neuen Vorhaben stellten die stellvertretende künstlerische Direktorin Alexandra Althoff und der Dramaturg Tobias Herzberg vor. Den Anfang macht rund um das Gedenken zum Jahrestag der Novemberpogrome am Samstag (9. November) der "Kollektivsalon", der zum ersten Mal im Kasino stattfindet. Kuratiert wird die neue Reihe vom Kollektiv "Nazis & Goldmund", das nunmehr unter dem Namen "Hydra" firmiert und den ersten Abend unter den Titel "Rückschritte, Rücktritte" gestellt hat.

Literatur als Störmanöver

Zugrunde liegt dem "Kollektivsalon" der Gedanke der "tagespolitischen Literatur als Störmanöver", die an historisch bedeutsamen Tagen künftig "gegen die Gleichgültigkeit" gesetzt werden soll. Erarbeitet werden die eigens geschriebenen Texte zum Auftakt gemeinsam mit den Ensemblemitgliedern Stefanie Dvorak, Stacyian Jackson, Marta Kizyma und Deleila Piasko.

Am Sonntag folgt um 11 Uhr im Burgtheater eine neue Ausgabe der Gesprächsreihe "Europa im Diskurs", Thema ist die "Europäische Nation vs. Europa der Nationen?". Der Politologe Ivan Vejvoda moderiert das Gespräch mit u.a. Constanze Itzel, Direktorin des Hauses der europäischen Geschichte in Brüssel, dem Politologen Ivan Krastev und der Sprachwissenschafterin Ruth Wodak.

Navid Kermani im Akademietheater

Am Montag geht es abends ins Kasino, wo die zweite Ausgabe der neuen Reihe "Apropos Gegenwart" zum Gespräch zwischen der Autorin Sasha Marianna Salzmann und dem Schriftsteller Doron Rabinovici einlädt. "Das Gute daran ist, dass es ein reines Gesprächsformat ist. Ein Tisch, zwei Sessel und zwei Leute, die reden", erläuterte die Philosophin Isolde Charim, die sich als Gastgeberin monatlich mit Salzmann abwechselt, das Konzept. Den Abschluss von "Im Fokus: Demokratie" macht am Dienstag (20 Uhr) im Akademietheater Navid Kermani, der sein Buch "Morgen ist da. Reden" präsentiert.

Das Kasino, das das Burgtheater nun vermehrt bespielt und nur ein- bis zweimal pro Monat extern vermietet, bleibt auch weiterhin Schauplatz von Debatten: Am 8. Dezember treffen einander Burgtheater-Direktor Martin Kusej und der designierte Volkstheaterdirektor Kay Voges im ersten "Triangle Talk" zum Gespräch über ihre jeweiligen Produktionen. Während Kusej mit "Die Hermannsschlacht" (Premiere am 28. November) seine erste Neuinszenierung in Wien zeigt, arbeitet Voges für das Haus an "Dies Irae - Tag des Zorns" (Premiere am 19. Dezember). Das Gespräch soll laut Herzberg weniger um Theaterpolitik denn um künstlerische Positionen kreisen. Am 12. Dezember folgt die nächste Ausgabe von "Apropos Gegenwart" mit Isolde Charim und der Politikwissenschafterin Ulrike Guerot.

Kooperation mit Kunsthalle

Außerhalb der Debattenkultur am Kasino angesiedelt ist die Kooperation mit der Kunsthalle Wien, die am 17. November mit "Green Hands and other Performances" startet: Zu Gast ist die Performancekünstlerin Sylvia Palacios Whitman. Unter dem Titel "Europamaschine" sollen - vorerst bis März - weitere gemeinsame Veranstaltungen folgen, bevor das Leitungs-Trio WHW schließlich am 8. März ihre erste für die Kunsthalle kuratierte Schau eröffnet. (apa)