Der Schauspieler und Regisseur Sven-Eric Bechtolf hat mit "Nichts bleibt so, wie es wird" einen kurzweiligen Debütroman vorgelegt, der in der Welt des Theaters spielt. Anlass, um über Tendenzen des Gegenwartstheaters, den Umgang mit schlechten Kritiken und den Irrwitz des Theaters zu sprechen.

"Wiener Zeitung": Ihr Roman "Nichts bleibt so, wie es wird" spielt in der Theaterwelt. Der Protagonist, ein Theaterregisseur namens Herwig Burchard, befindet sich am absteigenden Ast: Burchard ist in der Provinz gelandet, und selbst dort stellt er sich so an, dass er sein Engagement verliert. Wieso haben Sie Ihr Buch an Provinzbühnen angesiedelt - und nicht an den ersten Bühnen des deutschsprachigen Raums, die Sie bekanntlich gut kennen?

Sven-Eric Bechtolf: Darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Mir war nicht einmal bewusst, dass ich überhaupt einen Roman schreiben werde. Ich hatte zwei Monate frei, was selten genug vorkommt, und fing als stilistische Übung an, eine Erzählung im Präsens zu schreiben. Ich zeigte die ersten zehn Seiten meiner Frau, worauf sie mich ermunterte weiterzumachen - und das tat ich dann. Plötzlich hatte ich 400 Seiten fertig und zeigte das Manuskript einem Verlag. Das ganze Projekt ist im Spaß entstanden ohne Hintergedanken. Wenn es überhaupt um etwas ging, dann um das Ergründen einer Erzählform. Das Präsens ist ganz schön bockig.

Schreiben als Spaß? Viele Autoren beschreiben es als eher qualvoll.

Das kann es sein, aber in meinem Fall war es wirklich der schiere Übermut. Ich hatte und habe nicht den Ehrgeiz, große Literatur zu fabrizieren. Ich wollte mich und andere unterhalten, mehr nicht.

Ihr Protagonist muss für seine Operninszenierung heftige Kritik einstecken, er fühlt sich missverstanden.

Manchmal ist das ja tatsächlich so.

Die Erfahrung mussten Sie als Regisseur bekanntlich auch immer wieder machen.

Das ist wohl allen schon widerfahren.

Ihre Regiearbeiten wurden von der Kritik aber besonders oft hart hergenommen. Wo verläuft der Graben zwischen Kunst und Kritik?

Natürlich gibt es Reibungen zwischen Kritikern und Künstlern, mitunter kann das durchaus amüsant sein, vor allem, wenn man ganz gegenteilige Rezensionen erhält. Aber je älter ich werde, desto mehr befreie ich mich davon. Ich beschäftige mich einfach nicht mehr so sehr damit, ich nehme sie zu Kenntnis, aber ich nehme sie nicht mehr persönlich.

Burchard ist ein Schwieriger mit Hang zur Selbstzerstörung. Gehört das zum Privileg eines Künstlers? Ist die Kunst nicht auch eine Art Gegenwelt für Nonkonformisten?