Die Performer kommen sehr nahe. Noch näher ist eigentlich nicht möglich: Die vier mischen sich ins Publikum, das auf drei Galerien Platz genommen hat, die dreiecksähnlich auf der Bühne positioniert sind. Man sieht einander ziemlich genau, sodass eine intime Atmosphäre entsteht.

Eine Atmosphäre der körperlichen Intimität wird im Laufe der Performance noch entstehen, denn das Stück beschäftigt sich mit dem Phänomen der Affäre - "Affair" der österreichischen Performerin Christine Gaigg und 2nd nature hatte am Donnerstag im Wiener Tanzquartier Premiere. Nach "Maybe the way you made love twenty years is the answer?" (2014) und "Meet" (2018) ist nun "Affair" der dritte Teil von Gaiggs Trilogie, die sich mit der Chemie des Begehrens und dem gesellschaftlichen Rahmen, in dem das Thema Sexualität verhandelt wird, ausgiebig beschäftigt.

Gemeinsam mit Robert Steijn, Juliane Werner und Frank Willens zitiert Gaigg Gedanken von "Beziehungsbetrügern" in oftmals rasantem Tempo, tabulos und humorig - besonders, wenn Zitate eindeutig von einer Frau stammend von einem männlichen Performer rezitiert werden. Es sind Gedanken, die die unterschiedlichen emotionalen Lagen der Betroffenen widerspiegeln - ohne jeglichen moralischen Widerspruch. Dazwischen gibt es Berührungspausen im Dämmerlicht, in die manch Zuseher involviert wird - dezent, intim. Schade sind die Versprecher und Hänger, die den Fluss abreißen lassen.