An der Wiener Staatsoper ist nach der Erstaufführungsserie im Vorjahr nun wieder Georg Friedrich Händels "Ariodante" zu erleben. Christophe Rousset und Les Talens Lyriques sorgten am Freitag für eine wunderbare Umsetzung des vom Komponisten sensibel gezeichneten emotionalen Wechselspiels, mit stimmigen Tempi und der nötigen Verbindlichkeit.

Voller Hingabe warf sich Stephanie Houtzeel in die Hosenrolle des liebenden Adeligen Ariodante. Die Mezzosopranistin stieß dabei zwar mitunter an ihre (Stimmumfang-)Grenzen, doch egal bei derlei Mut zum Risiko im Dienste intensiven Musizierens. Die Königstochter Ginevra passt wunderbar zu der silbrig zarten Stimme und zauberhaften Grazie der Chen Reiss.

Wie im Flug verging der erste Akt. Eine Augenweide die Kostüme, entzückend die Choreografie des herumschwirrenden Hofstaates. Ab dem zweiten Akt floss die Inszenierung von David McVicar recht zäh dahin. Allerdings, der Moment zu Beginn von Ariodantes Klage "Scherza infida" entschädigte für manche Regieträgheit: Das erdrückende Gemäuer öffnet sich und gibt den Blick aufs Meer frei. Ein atemberaubendes Ineinandergreifen von Musik und Szene.

Perlende Koloraturen: Max E. Cenčić . - © Staatsoper/ Pöhn
Perlende Koloraturen: Max E. Cenčić . - © Staatsoper/ Pöhn

Als ehrgeiziger und machthungriger Intrigant Polinesso überzeugte Max Emanuel Cenčić mit perlenden Koloraturen, kantigem Auftreten und mildem Counterschmelz. Kein Wunder, dass Dalinda (Hila Fahima mit glasklaren Spitzentönen, aber auch Intonationsunsicherheiten) sich zur Intrige verführen ließ. Großes Lob für den sonoren Peter Kellner als König von Schottland und Josh Lovell als elegant timbrierten Lurcanio. Die Entscheidung der Staatsoper, auch Barockwerke in den Spielplan aufzunehmen, bietet vor allem eines: die Konfrontation mit herrlichen Meisterwerken.