Bernhard Lentsch braucht nicht viel. Bühne und Publikum genügen dem Wiener, der sein Geld überwiegend als Sozialarbeiter verdient. Die Blicke sind an diesem Abend im Theater am Alsergrund auf ihn gerichtet. Das rote Hemd, das Bernhard Lentsch trägt, ist vielleicht der Blickfang – wohl eher aber sein authentisches Auftreten. Man merkt, es steht jemand auf der Bühne, der mit Begeisterung bei der Sache ist. Und die Begeisterung ist ansteckend, was ihm Lacher bei seinen Pointen sichert.

In seinem aktuellen Programm "Funtastisch" setzt sich der Wiener mit einer Gesellschaft auseinander, die von diversen Social-Media-Plattformen gesteuert ist, und hält dieser Gesellschaft das Smartphone vor. Nein, natürlich den Spiegel. Lentsch glaubt, dass es Kinder gibt, die nur deshalb auf der Welt sind, weil die Eltern nichts anderes mehr zum Posten hatten. Und Posts von den Sprösslingen bringen Likes. Und was tut man nicht alles für ein Like im Web? Dabei wird alles inszeniert, vom Selfie bis zum perfekten Hochzeitsfoto, denn alles muss, wie der Programmtitel schon andeutet, "funtastisch" sein.

Der rote Faden der Social-Media-Welt spannt sich durch etliche Lebensbereiche, so auch eine Szene beim Hausarzt: Der Arzt erwähnt das Wort "Foto", und Lentsch nimmt im Eiltempo die Selfie-Pose ein. Der Arzt sagt: "Akku leer." Und – so schnell kann das Publikum gar nicht schauen – hechtet der Kabarettist über die Bühne, um sein imaginäres Smartphone mit der imaginären Steckdose zu verbinden. Der regelmäßige Gesundheitscheck geht eben auch mit der Zeit. Mehr sei an dieser Stelle über das Programm, in dem das reale Leben nur mehr in der virtuellen Welt stattfindet, nicht verraten. So lustig das Thema auch sein mag und so lustig Bernhard Lentsch es präsentiert, so ernst ist es. Und so bringt er zum Ende seines Bühnenprogramms das Publikum zum Nachdenken. Ein Abend, für den sich Lentsch in jedem Fall ein Like verdient hat. Ein persönliches Like des Publikums und nicht in den Weiten des Internet.