Die "Kunst als Friedensbringer" und "Qualität als Programm" bezeichnete Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler als die beiden zentralen Leitlinien, die die Festspiele durch hundert Jahre getragen haben. "Unsere Gründerväter erträumten sich eine Weltkunstzentrale auf österreichischem Boden", weit weg von den "Zerstreuungen der Großstadt". In Salzburg, "weil es das Herz vom Herzen Europas ist".

 Die Vision der Gründerväter - Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt - sei nicht nur "ein Friedensprojekt nach dem mörderischen Ersten Weltkrieg" gewesen, so Rabl-Stadler bei der Pressekonferenz, sondern auch ein künstlerisches Statement "eines zum Kleinstaat geschrumpften Österreich". "Heute ist es das größte Klassikfestival der Welt."

Mit Wiederaufnahmen, einer Neueinstudierung, konzertanten Stücken und Neuinszenierungen kommt der Opernsommer heuer auf stolze zehn Titel, in den vier ganz neuen Produktionen - "Don Giovanni", "Elektra", "Boris Godunow" und "Intolleranza 1960" - sieht Intendant Markus Hinterhäuser auch eine Geschichte, die der Gründungsutopie der Festspiele entspricht: vom Individuum zur Gemeinschaft, "von der Leere und dem Nichts eines Don Giovanni zur Nächstenliebe und Toleranz der 'Intolleranza'".

Helga Rabl-Stadler ist stolz auf das Jubiläumsprogramm "ihrer" Festspiele. - © APAwebAPA/BARBARA GINDL
Helga Rabl-Stadler ist stolz auf das Jubiläumsprogramm "ihrer" Festspiele. - © APAwebAPA/BARBARA GINDL

Elektra und Don Giovanni als Verwandte

Eröffnet wird der Reigen durch "Elektra" mit Franz Welser-Möst am Pult, "einer der profundesten Kenner der Musik von Richard Strauss, der uns in den vergangenen Jahren gezeigt hat, wie und warum man Strauss hören soll", wie Hinterhäuser betonte. In ihrem "Fiebermonolog" sei die Figur der Elektra dem Don Giovanni, seiner Gier und Egozentrik, ebenso unähnlich wie verwandt.

"Don Giovanni", für den Romeo Castellucci und Teodor Currentzis gemeinsame Sache machen, sei "ein niemals zu dekodierendes Geheimnis - wir versuchen es". Zugleich werde die Oper der Auftakt zu einer Aufführung der Da-Ponte-Opern, "in der Zeit, die ich noch hier bin", so Hinterhäuser, "aber nicht als Zyklus, denn sie sind keiner".

Auch "Boris Godunow" von Modest Mussorgski trägt zwar einen Protagonisten im Titel, "doch hat sich Mussorgski wenig für ihn interessiert" - stattdessen trete hier die Masse in den Vordergrund. Die Zusammenarbeit von Christof Loy und Mariss Jansons wird wegen ihres späten Premierendatums nur viermal gespielt, "aber wir werden sie sobald wie möglich wieder aufnehmen, voraussichtlich 2022", versicherte Hinterhäuser.

Wider die Konvention mit Luigi Nono

Eines "der gewaltigsten Manifeste für eine andere, neu gedachte Welt" sieht der Intendant in Luigi Nonos "Intolleranza", die eigentlich keine Oper, sondern eine "szenische Aktion" ist und mit zahlreichen Konventionen des Musiktheaters bricht. Geleitet wird sie von "dem Musiker, der Nono am meisten erspüren kann, und das ist Ingo Metzmacher".