Als "Dreiviertel"-Neuinszenierung möchte Hinterhäuser die "Zauberflöte" gelten lassen, die in einer Neueinstudierung zurückkehrt. "Durch einige sehr unglückliche Dinge ist sie 2018 etwas aus der Spur geraten, das müssen wir im Rückspiegel bekennen - aber ich glaube sehr an die Regisseurin Lydia Steier und an die grundlegende Idee." Mit einer Übersiedlung ins Haus für Mozart, der musikalischen Überantwortung an Joana Mallwitz und vielen anderen Änderungen will man der Produktion "noch eine Chance geben".

Von den Pfingstfestspielen übernimmt man wie üblich die Oper, heuer "Don Pasquale", von der Mozartwoche diesmal den "Messias", von den Osterfestspielen anlässlich des Jubiläumsjahres die "Tosca" mit Anna Netrebko in der Titelrolle, wobei es darüber hinaus noch keine Pläne für Kooperationen gibt. Mit dem künftigen Intendanten Nikolaus Bachler habe es "noch keine Annäherung" gegeben, so Hinterhäuser, der aber ebenso wie Rabl-Stadler betonte, sich bei den Osterfestspielen "überhaupt nicht einmischen" zu wollen. Ein Gespräch über das künftige Verhältnis der beiden Festivals werde sicher noch kommen, "weil es kommen muss".

Placido Domingo am Programm

Konzertant wird nach derzeitigem Stand auch im nächsten Sommer der von #MeToo-Vorwürfen betroffene Placido Domingo in Salzburg auf der Bühne stehen - in Verdis "I Vespri Siciliani". Dies habe man programmiert, bevor die MeToo-Debatte Domingo erfasst hat, so Rabl-Stadler, die unterstrich, dass man Domingo "hier nur als besonders wertschätzenden Star ohne Allüren" kenne. "Wir fänden es menschlich unfair und juristisch falsch, Urteile zu fällen, bevor die Causa dort geklärt ist, wo sie hingehört, nämlich vor Gericht."

Als zweite konzertante Oper ist Morton Feldmans "Neither" in der Kollegienkirche programmiert, als Teil der Reihe "Still life - Zeit mit Feldman". "Feldmans Musik ist nichts anderes als bemalte Leinwand", so Hinterhäuser, die Kollegienkirche werde bei dieser Reihe zum "Zentrum für Stille und Schönheit".

Im Schauspiel huldigt man Gründervater Max Reinhardt und dem Phänomen des 100-jährigen "Jedermann". Neben dem eigentlichen Stück - heuer mit Caroline Peters als Tobias Morettis Buhlschaft - gibt es auch noch andere Tischgesellschaften zum Thema: Am Jedermann-Tag, dem 22. August, soll sich ganz Salzburg zu einer solchen verwandeln, darüber hinaus ist eine von Michael Sturminger eingerichtete Lesung mit allen Darstellern, die über die Jahre eine Rolle im "Jedermann" gestaltet haben, geplant.

Handke-Uraufführung lang geplant

Zwei Uraufführungen stechen aus dem Schauspielprogramm heraus. Die laut Schauspielchefin Bettina Hering "lange geplante" Uraufführung von Peter Handkes "Zdenek Adamec" werde in der aktuellen Kontroverse um den Nobelpreisträger Gelegenheit bieten, "sich erneut mit seinem dramatischen Werk auseinanderzusetzen". Das Stück, so Regisseurin Friederike Heller in einer Videoeinspielung, sei nicht zuletzt ein "Fest, das die Sprache feiert, das Miteinander Sprechen, auch über Widersprüchliches und Konfliktbeladenes". Als Darsteller sind unter anderem Matthias Brandt sowie Handkes Frau Sophie Semin angekündigt.Die zweite Uraufführung stammt von Milo Rau und ist mit dem Titel "Everywoman" natürlich an die Jedermann-Vorlage angelehnt - auch hier lässt eine Protagonistin ihr exzessives Leben im Angesicht des Todes Revue passieren. Mit "Das Bergwerk zu Valun" inszeniert Jossi Wieler eines der kaum gespielten Jugendwerke von Hugo von Hofmannsthal. Noch nie in Salzburg zu sehen waren "Richard III" von Shakespeare und "Maria Stuart" von Schiller. Ersteres wird von Karin Henkel inszeniert, die erneut mit Schauspielerin Lina Beckmann nach Salzburg kommen - und zwar in der Titelrolle. Zweiteres zeigt Martin Kusej in der "mehr als festspielwürdigen Besetzung" von Bibiane Beglau als Elisabeth und Birgit Minichmayr als Maria als Burgtheater-Koproduktion auf der Perner Insel.

Als dritte Säule der Festspiele - bereits seit 1921 - bietet das Konzertprogramm heuer wiederum seinen eigenen Bogen. Er beginnt wie üblich mit der Ouverture Spirituelle, heuer - "ganz im Zeichen des Gründungsgedankens", so Konzertchef Florian Wiegand - unter dem Motto "Pax". Die Huldigung des Friedens bringt freilich auch den Krieg und das Leid und beginnt beim Eröffnungskonzert der Festspiele unter Mirga Grazinyte-Tyla mit ihrem City of Birmingham Symphony Orchestra mit Arnold Schönbergs "Friede auf Erden" sowie Benjamin Brittens "War Requiem". In weiterer Folge würdigt man die eigene Geschichte - etwa im Auftaktkonzert der Wiener Philharmoniker unter Mariss Jansons, den Jubilar Beethoven - mit Igor Levit, der acht Sonatenkonzerte spielt - und mit den üblichen großen Orchestergastspielen.

Ausstellung und Kinderprogramm

Rund um die eigentlichen Festspiele wird das Jubiläum auch in einem umfangreichen Festprogramm begangen - mit dem Herzstück der Landesausstellung "Großes Welttheater", die bereits am 25. April 2020 eröffnet wird. Am eigentlichen Festspiel-Geburtstag, dem 22. August, wird im ganzen Festspielbezirk der "Jedermann-Tag" begangen.

"Explosionsartig erweitert", so Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, hat man das Kinder- und Jugendprogramm. Denn zum Rückblick auf 100 Jahre gehöre es auch "Kraft für die Zukunft zu tanken". Das Programm beginnt bereits im Frühjahr, die Kinderoper im Sommer wird eine Uraufführung von Elisabeth Naske sein. (apa)