Zwei Männer, ein Keyboard, zwei Drums, ein Cajón und fünf Gitarren. Das ist die Zutatenliste für das neue Programm von Otto Jaus und Paul Pizzera. "Wer nicht fühlen will, muss hören", lautet das Motto, unter dem sie sich "ihre Astralärsche aufreißen" für ihr Publikum. Und Selbiges tut von Beginn an seine Schuldigkeit in Form von Jubel, Klatschen und Standing Ovations. So haben beide Seiten Spaß. Man merkt den beiden Künstlern vorne von der ersten Sekunde an, wie geil sie es selbst finden, im vollen Globe Wien ihren Groove zu spüren. Ihre Spielfreude ist nach wie vor echt.

Und es ist wohltuend zu sehen, wie sie trotz ihres Erfolgs auf dem Boden geblieben sind. Das wird schon im zweiten Lied klar, in dem sie sehr selbstreflexiv werden, freilich arg satirisch. Es folgen mehrere neue Lieder, aber auch ein Paket mit eigenen bekannten Hits, die sie mit Hingabe verulken und dabei Mozart & Co strapazieren, (sie interpretieren auch fremde Lieder neu). Da sind sie in ihrem Element und in Höchstform. Da verzeiht man auch gerne, dass mancher musikalischer Übergang noch nicht ganz rund ist.

Zwischendurch gibt es auch ruhigere Nummern. - © Jasmin Ziegler
Zwischendurch gibt es auch ruhigere Nummern. - © Jasmin Ziegler

Dass Jaus ihm stimmlich überlegen ist, macht Pizzera an den Gitarren mehr als wett. Und beim G'scheitreden sowieso. Außerdem hat "Mister Eiweißriegel" den größeren Bizeps und Trizeps, mit denen er hausieren gehen kann, Liegestütze inklusive. Das sind die Momente, in denen das gewohntes Gehabe der beiden "Best Homies" im Stile eines alten Ehepaars für Lacher sorgt. Im Eifer des Gefechts kann es bei der Premiere im Globe Wien auch schon einmal passieren, dass sie ihren Dialog abrupt unterbrechen, weil sie eine ganze Nummer vergessen haben. Wie sie die nachholen, könnte man glatt wieder für gut einstudiert halten. So wie manchen Versprecher von Jaus, auf den Pizzera spontan reagiert. Da stehen zwei große Musikkomödianten vor dem Herrn auf der Bühne. Vor allem Jaus glänzt mit schauspielerischen Talent. Und ein Oktopus ist ein Armutschkerl gegen den Mann, der gleichzeitig ein Keyboard und drei Schlaginstrumente bespielen kann. Insgesamt wird diesmal mehr gesungen und weniger parliert.


Auch wenn sie primär eine Musikrichtung kennen - nämlich laut und wild -, schieben sie immer wieder auch leisere Töne ein. Unterhaltsam ist beides, wobei der Höhepunkt des Abends sicher ihre "Kiddy Contest"-Persiflage ist, in der sie "endlich einmal wirklich die Lebenswirklichkeit der 8- bis 15-Jährigen abbilden". Ein sehr langer Einschub in einem gefühlt viel zu kurzen Programm mit Texten, die man wahrscheinlich öfter hören muss, bis man auf der intellektuellen Ebene alles erfasst hat, was sie da zusammengetragen haben.

Wer mit seinem Debüt die Wiener Stadthalle gefüllt und das Donauinselfest gerockt hat, der muss beim zweiten Programm schon ordentlich nachlegen. Und es ist schon erstaunlich, mit welcher Leichtfüßigkeit Pizzera & Jaus genau das schaffen. Das neue Niveau, auf das sie das Genre Musikkabarett mit "Unerhört solide" gehoben haben, halten sie jedenfalls mit "Wer nicht fühlen will, muss hören" locker.