Nächster Zug in der Causa Festspiele Erl: Die fünf betroffenen Künstlerinnen haben am Freitag in einer Aussendung eine öffentliche Entschuldigung der Festspielverantwortlichen gefordert. Zuvor war der Inhalt des Berichts der Gleichbehandlungskommission mit der festgestellten sexuellen Belästigung durch den ehemaligen künstlerischen Leiter der Festspiele Erl, Gustav Kuhn, publik geworden. Die Entschuldigung solle in jener Form erfolgen, "in der unsere Reputation als Künstlerinnen wiederhergestellt und unsere Würde als Frauen respektiert wird", hieß es. Die Entschuldigung erwarte man sich "vonseiten der Tiroler Festspiele Erl Privatstiftung sowie von der Tiroler Festspiele Erl Betriebsges.m.b.H. als deren operativem Organ, für den in Ihrem Unternehmen stattgefundenen und von Ihnen über Jahre geduldeten Machtmissbrauch Ihres Intendanten", schrieben die Künstlerinnen in dem an Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP), Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner und den Sektionsleiter im Bundeskanzleramt, Jürgen Meindl, gerichteten offenen Brief.

Gleichzeitig kritisieren die Künstlerinnen die Festspiel-Verantwortlichen: "Nach dem Offenen Brief im Juli 2018, in welchem wir erstmals mit Namen und konkreten Schilderungen massive Übergriffe öffentlich gemacht hatten, war nicht nur und nicht nur von Ihnen, den Verantwortlichen, unsere Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen, sondern sind wir auch als Frauen herabgesetzt und als Künstlerinnen diffamiert worden."

Bitte abgewiesen

Vom Stiftungsvorstand wird es aber keine offizielle Entschuldigung geben. "Entschuldigen muss sich der, der es getan hat", sagte Landesrätin und Mitglied des Stiftungsvorstandes Beate Palfrader am Freitag im Gespräch mit der APA. Sie bedaure aber sehr, was passiert ist, betonte sie. Sie weise zurück, dass jahrelanger Machtmissbrauch bei den Festspielen einfach geduldet worden sei, und sie habe auch niemals die Glaubwürdigkeit der Künstlerinnen infrage gestellt, meinte die Landesrätin in Reaktion auf den Offenen Brief. Vielmehr habe man die Vorwürfe sofort an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet und innerhalb des Vorstands mit der Einrichtung einer Ombudsfrau reagiert. (apa)