Die langjährige kaufmännische Geschäftsführerin des Burgtheaters, Silvia Stantejsky, ist am Freitag in ihrem Prozess wegen Untreue, Veruntreuung und Bilanzfälschung schwer belastet worden. Der deutsche Theaterregisseur David Bösch stellte am Wiener Landesgericht entschieden in Abrede, er habe Stantejsky Honorare in Höhe von mehr als 185.000 Euro zur Verwahrung überlassen. Die 64-Jährige hatte in ihrer Beschuldigteneinvernahme behauptet, Bösch, der ab 2009 an der Burg mehrere Inszenierungen als Gastregisseur betreute, ehe er 2013 fix angestellt wurde, habe ihr den Großteil seiner Honorare anvertraut, weil er dafür zunächst keinen Bedarf gehabt hätte. Als sie als Burg-Geschäftsführerin einige Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte, habe sie sich auch an Böschs Vermögen vergriffen und damit "Löcher gestopft".

Stantejsky. - © apa/Herbert Neubauer
Stantejsky. - © apa/Herbert Neubauer

In Wahrheit dürfte die seit mehr als 30 Jahren an der Burg tätige Stantejsky das Vertrauen Böschs ausgenutzt haben, als dieser an das Haus geholt wurde. Das machte der e 41-Jährige in seiner Zeugenaussage deutlich. Die Version, die Stantejsky hinsichtlich seiner Honorare dem Gericht dargelegt hatte, sei "unrichtig".

Das Urteil wird frühestens Mitte Dezember, möglicherweise erst im Jänner fallen. Der ambitionierte Zeitplan, den Richter Christoph Zonsics-Kral zur Durchführung des Beweisverfahrens vorgesehen hat, ist nicht einzuhalten.

Die ursprünglich für Montag vorgesehenen Zeugenauftritte von Ex-Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann und des früheren Chefs der Bundestheater-Holding, Georg Springer, wurden auf Dienstag verschoben. Danach wird die Verhandlung vertagt werden, da weder die Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung auf einen weiteren Zeugen verzichten, der sich aufgrund eines Auslandaufenthalts entschuldigt hat. Ob noch vor Weihnachten oder erst nach dem Jahreswechsel in erster Instanz der Vorhang fällt, sollte sich am Montag klären.