Nicht nur das Wiener Gemüseorchester hat sich der Erkundung des vegetabilen Klanggeschehens verschrieben. Dem widmet sich auch das biolingua-Institut, das im Rahmen von Wien Modern in sein Labor, ergo den Dschungel Wien, lädt, um gemeinsam mit dem Publikum (je nach Termin ab acht oder dreizehn Jahren) der "Erforschung pflanzlich-menschlicher Beziehungsgeflechte" nachzugehen. Vor allem offenbaren die Expertinnen und Experten der fiktiven Forschungseinrichtung in der Produktion "Gras wachsen hören" das Pflanzenreich als Welt der Klänge.

Fröhliche Wissenschaft für ein junges Publikum. - © Sepperer
Fröhliche Wissenschaft für ein junges Publikum. - © Sepperer

Zunächst fragt man sich, ob das eher textlastige und wenig expressive Auftreten der vier Mitglieder des Liquid Penguin Ensemble für die anvisierte Zielgruppe ab acht nicht zu theoretisch ist - über die Witze lachen bei der Premiere am Freitag jedenfalls vor allem die Erwachsenen, die aber auch stark in der Überzahl sind. Nach und nach entfaltet der liebevoll-verschrobene Zugang zur Botanik dann aber doch seinen Charme, und in einer gelungenen Mischung aus Geschichten, Liedern und "Experimenten" erfährt man alles über den Briefwechsel mit Bäumen oder die Liebe zu einer Bohnenranke, lauscht dem Grunzen des Eukalyptus und bewundert die auf einem Gärtnerkopf beheimatete Flora und Fauna.

Dabei ergibt sich die experimentelle Klangproduktion fließend aus den gespielt wissenschaftlichen Demonstrationen. So wird etwa anhand von Kontrabass und Klanghölzern die Musikalität der Fichte erprobt, werden Mess- zu Blasinstrumenten und wissenschaftliches Instrumentarium zur Perkussion. Das meist eher behutsame Klopfen und Rascheln steigert sich mitunter bis zur chaotischen Freestyle-Improvisation. In der Regel, erfährt man, geschieht in der Welt der Pflanzen jedoch alles gaaanz laaangsaaam. Wer aber genug Geduld aufbringt, kann die blättrigen Freundinnen mit etwas Glück sogar sprechen hören.