In der Causa Burgtheater, dem größten Finanzskandal eines heimischen Kulturbetriebs, wird nun der damaligen kaufmännischen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky der Prozess gemacht.

Die ehemalige Burg-Geschäftsführerin Silvia Stantejsky sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. - © apa/Herbert Neubauer
Die ehemalige Burg-Geschäftsführerin Silvia Stantejsky sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. - © apa/Herbert Neubauer

Die Vorwürfe lauten auf Bilanzfälschung, Untreue und Veruntreuung von Steuergeldern. Zuletzt wurde die Angeklagte, für die die Unschuldsvermutung gilt, von Regisseur David Bösch schwer belastet. Sie habe ihn offenbar gebeten, zu behaupten, er hätte Regiegagen in der Höhe von über 180.000 Euro bereits erhalten, obwohl das nicht der Fall war. "Es ist mir rückblickend nicht mehr nachvollziehbar, warum ich das zu Herrn Bösch gesagt habe", zeigt sich die Angeklagte am Montagmorgen reumütig.

Verlust des Überblicks

An diesem dritten Prozesstag geht es vor allem darum, Licht in Stantejskys Gebaren als kaufmännische Geschäftsführerin zu bringen. Die Verteidigung ist darum bemüht, darzustellen, wie massiv die Angeklagte durch ihre psychische Erkrankung beeinträchtigt gewesen war. Seit 2010 befand sich Stantejsky in psychiatrischer Behandlung, in den Jahren 2012 und 2013 konnte sie wegen einer diagnostizierten hochgradigen Depressionsstörung, laut eigenen Angaben ohne Medikamente ihr Leben nicht mehr bewältigen. Stantejsky gibt auch an, in dieser Zeit von Suizidgedanken geplagt gewesen zu sein, ihren Büroalltag beschreibt sie so: "Ich habe die Dinge von links nach rechts geschoben und dann wieder von rechts nach links. Es war eigentlich sinnlos." Nach außen hin dürfte sie allerdings das Bild einer tüchtigen Person aufrechterhalten haben. Othmar Stoss, damals Prokurist der Holding, wird später aussagen, dass er sie als "robuste Person" wahrgenommen habe, die "die Dinge erledigt".

Stantejsky sagt aus, im Lauf der Jahre 200 bis 300.000 Euro aus privaten Mitteln ans Burgtheater überwiesen zu haben, um etwaige Lücken zu füllen, außerdem habe sie über viele Jahre hinweg keine Spesen abgerechnet, "damit das Burgtheater besser dasteht".

Diese freiwilligen Geldflüsse lassen sich allerdings, bis auf wenige Teilbeträge, nicht wirklich belegen. Dem Spesenverzicht stehen Akontozahlungen vom Burgtheater an Silvia Stantejsky in sechsstelliger Höhe gegenüber. Die Anklage wirft ihr weiters vor, zunehmend auch den Überblick über ihre privaten Ausgaben verloren zu haben. Die Staatsanwältin spricht davon, dass die Angeklagte trotz eines stolzen Geschäftsführergehalts zuletzt ein Minus in sechsstelliger Höhe angehäuft hatte, und legt Kreditkartenrechnungen vor, die intensive Shoppingtouren in Bekleidungsgeschäfte belegen. Stantejsky bestreitet einen luxuriösen Lebensstil, räumt aber ein, dass ihr zunehmend der Alltag entglitten sei, bei wichtigen beruflichen Verhandlungen hätte sie sich dennoch "fokussieren" können.

Ausführlich wird auch über Steuerzahlungen verhandelt. Laut Rechnungshof-Bericht hatte Stantejsky für 23 Personen insgesamt 137.000 Euro an persönlichen Steuern und Abgaben bezahlt. Darauf angesprochen, erklärte die 64-Jährige zunächst ausweichend, sie könne dazu nichts sagen, wenig später erwähnte sie jedoch selbst einen Schauspieler namentlich, angeblich habe Hartmann sie angewiesen, mit einer Akontozahlung auszuhelfen. Diese Vorabzahlungen habe man später in der Lohnverrechnung abgezogen oder mit Ratenzahlungen wieder eingeholt. Die Frage, ob ein Geschäftsführer überhaupt dazu ermächtigt gewesen sei, private Steuern von Mitarbeitern an das Finanzamt zu entrichten, beantwortet Holding-Prokurist Stoss mit einem deutlichen "Nein". Wie das zustande kam? "Das ist mir ein Rätsel."

Hingegen ist die Frage nach der Abschreibungshöhe bereits ausgeschiedener Aufführungen weiterhin ein strittiger Punkt, zu dem es offenbar keine gültigen Holding-Regeln gab und die wohl tatsächlich einen gewissen Interpretationsspielraum zuließ.

Bargeldüberschuss

In der Zeugeneinvernahme von Hauptkassier Ernst Fürbach wurde indes ziemlich deutlich, dass die Angeklagte in Sachen Handkassa mehr oder weniger unkontrolliert agieren konnte. Es entsteht der Eindruck, dass auch hohe Beträge ohne großen Erklärungsbedarf hin- und hergeschoben werden konnten.

Am Dienstag, 19. November, wird der ehemalige Burg-Direktor Matthias Hartmann und Ex-Holding-Chef Georg Springer in den Zeugenstand geladen. Wann mit einem Urteil gerechnet werden kann, ist derzeit noch offen.