Wir schreiben das Jahr 1954 und ein Krippenspiel in einem Sanatorium liefert die Rahmenhandlung für "Die dunkle Weihnacht im Hause Grimm", das jüngste Nesterval-Abenteuer durch Raum und Zeit. Noch ehe alle Akteure des Weihnachtsspiels die Bühne betreten haben, wird das Spiel jäh unterbrochen: Ein Darsteller ist verstorben. In bewährter Nesterval-Manier werden die Zuschauer in Kleingruppen nun dazu aufgefordert, dem rätselhaften Todesfall in der Nervenheilanstalt auf den Grund zu gehen.

Das Erlebnistheater nimmt in den stilechten 50er-Jahre-Räumlichkeiten des Gewerbehauses am Rudolf Sallinger Platz 1 seinen Lauf. Das queere Performancekollektiv Nesterval, 2011 in Wien gegründet, hat sich in den vergangenen Jahren mit aufwendigem Mitmachtheater (zuletzt: "Das Dorf") einen Namen gemacht, dabei wird der Theaterraum selbst zum Erlebnisraum. Die Zuschauer bewegen sich frei durch die bis ins kleinste Detail arrangierten Rauminstallationen - die Zimmer der Patienten sind bis zur Keksdose und den Familienfotos an den Wänden mit wunderbarer Akkuratesse eingerichtet - und sammeln Erfahrungen in den inszenierten Welterfindungen.

Dieses Mal nahm die Truppe dubiose Heilmethoden ins Visier und unterläuft gekonnt den Begriff von Normalität. Tolles Durcheinander in Wien-Landstraße.