Es ist ein bisschen wie ein Film über den Untergang der "Titanic". Die allerwenigsten werden vom Ausgang der Geschichte überrascht sein. So verhält es sich auch bei Agatha Christies "Mord im Orientexpress". Der Krimiklassiker gehört sicher zu den meistgelesenen, und wer ihn nicht gelesen hat, ist im Weihnachtsferien-Nachtfernsehprogramm über die legendäre Verfilmung mit Albert Finney als Hercule Poirot und einer ganzen Riege an Stars angeführt von Lauren Bacall in einer famosen Altersrolle gestolpert. Zuletzt zwirbelte Kenneth Branagh als neueste Inkarnation des Detektivs den berühmten Schnurrbart in einer nicht minder stargespickten (Johnny Depp! Michelle Pfeiffer!) Neuverfilmung 2017.

Die Kammerspiele bringen den Todesfall im Nobelzug jetzt in einer Fassung von Ken Ludwig auf die Bühne, am Donnerstag war die deutschsprachige Erstaufführung. Als Poirot ist Siegfried Walther zu sehen. Er legt den Detektiv durchaus als Peter-Ustinov-Hommage an, die herablassend-hochnäsige Art, die Poirot mitunter auch unterläuft, wird von Walther zurückgeschraubt auf ein liebenswertes Maß. Überhaupt ist die Inszenierung von Werner Sobotka schwarzhumorig und mit einer gewissen Liebe für die reichlich vorhandenen Schrulligkeiten der handelnden Personen angelegt.

Knochentrocken und anlassig

Das merkt man der Spielfreude des Ensembles dann auch an: Ulli Maier brilliert als schmuckbehängte Amerikanerin mit beachtlicher Ehegatten-Historie - forsch und immer auch ein bisschen anlassig. Marianne Nentwich gibt die alte Prinzessin Dragomiroff knochentrocken. Daneben schillert ihre Reisebegleitung Therese Lohner als Greta Ohlsson in überdrehter Hysterie. Michaela Klamminger ist eine mondäne Gräfin Andrenyi, Alexandra Krismer eine kecke Mary Debenham, Johannes Seilern unterstützt Poirot als Eisenbahnmanager Bouc mit einigem Galgenhumor. Paul Matic grenzt seine Doppelrolle als Mordopfer Ratchett (mafiös lallend) und Oberst Arbuthnot (fast immer gefasst) gekonnt voneinander ab, so wie auch Markus Kofler als schnippisch-gehetzter Hotelkellner und als eilfertiger Schaffner.

Schön anzusehen ist das Bühnenbild von Walter Vogelweider, der drei Abteile nebeneinander und den obligaten Speisewagen - zur Versammlung der Verdächtigen - in einer filigranen Drehbühne zusammenfasst, mit Jugendstil- und Art-Deco-Elementen verziert. Auch optisch also eine Inszenierung, die genau das bietet, was man erwartet. Was bei einem Agatha-Christie-Krimi keineswegs ein Nachteil sein muss: Denn die sind ja auch dafür bekannt, dass man exakt das bekommt, was man erwartet. Ein ziemlich programmierter Publikumserfolg - und schon jetzt großflächig ausverkauft.