50 Jahre Martin Puntigam, davon 30 Jahre auf der Bühne mit 13 Soloprogrammen, 3 Duos, 13 Jahren "Science Busters" und 5 Büchern - der Grazer Kabarettist hat genügend Anlass zum Feiern. Blöd nur, dass er (hoffentlich nur für sein Bühnenjubiläumsprogramm) gerade mitten in einer bösen Scheidung steckt Wobei, es wäre nicht Martin Puntigam, würde ihm das Ende einer langen Ehe nicht als wunderbare Gag-Grundlage dienen. Tabus gibt es schließlich bei ihm keine, und Genierer hat er sowieso keinen. Dass er genüsslich einen Snack vertilgt, während er über Kottransplantion doziert, ist da nur stimmig.

Eine Lappalie wie eine schmutzige Scheidung kann einem Martin Puntigam jedenfalls nicht die Feierlaune verderben. Und so lässt er zum 30er auch einmal Fünfe grade sein und sich zum ersten Mal richtig ansagen. Wer in der ersten Reihe sitzt, hat gute Chancen, dafür auf die Bühne gebeten zu werden. Damit verbraucht Puntigam allerdings eine Viertelstunde seines Programms, in der man eigentlich lieber mehr Inhalt gehört hätte, auch wenn er mit dieser ersten Szene eine ganze Branche auf die Schaufel nimmt. Wie er auch sonst unkonventionell vorgeht und alte Traditionen mit Genuss zerlegt.

Was folgt, ist ein Abend, der in zwei Stunden all das subsummiert, was 30 Jahre Martin Puntigam als Kabarettist ausmacht. Der Höhepunkt in seinem von Zynismus durchtränkten Programm sind seine Ministranten-Erinnerungen - pietätlos und durchaus hart, aber über der Gürtellinie und sehr lustig. Sein erwachsenes Bühnen-Alter-Ego stampft derweil wie ein Elefant im Porzellanladen durchs Leben. Und das ab der Pause stilecht im zuckerlrosa Anzug. Zwischen all dem Zynismus streut er freilich auch harte wissenschaftliche Fakten und auch durchaus erschreckende Wahrheiten über den Zustand der Welt, unsere Gesellschaft oder den Klimawandel ein. Zum Lachen sind die eigentlich nicht. (Oder hält er sein Publikum damit doch wieder nur am Schmäh? Man weiß es nicht so ganz genau.)

Martin Puntigam bringt im Jubiläumsprogramm jedenfalls sein bisheriges Werk auf den Punkt. Und er schont dabei auch sich selbst nicht, wie sich am Ende des Abends zeigt. Spätestens da fragt man sich ernsthaft, was diesen Mann eigentlich antreibt. Ist es der schiere Drang, verrückte Dinge zu tun? Oder sind diese verrückten Dinge einfach aus seiner Sicht die einzige Möglichkeit, seine (durchaus ernsten) Botschaften nachhaltig beim Publikum anzubringen? Man weiß es nicht. Man kann nur dasitzen und staunen.