Im freundlichsten Falle ist sie als düster altbacken zu bezeichnen, unbeholfen hölzern beschreibt die szenische Umsetzung von Jean-Louis Martinoty jedoch etwas genauer. Freunde des durchdachten, raffinierten Regietheaters kommen bei der aktuellen Spielserie von Mozarts "Don Giovanni" an der Wiener Staatsoper definitiv nicht auf ihre Kosten. Und das ist nicht ausschließlich den natürlichen Schleifspuren des Repertoirebetriebes geschuldet.

Dafür lässt sich die Produktion, wenn schon nicht sehen, dann immerhin hören. Das liegt vor allem am umsichtigen Dirigat von Adam Fischer, der einen beherzt luftigen und dennoch akzentuierten Mozart gestaltet. Extreme Tempi oder Kontraste sind nicht sein Stil, seine unaufgeregte, höchst qualitätsvolle Lesart ist Balsam in experimentellen Zeiten. Kleine Koordinationsschwierigkeiten zwischen Bühne und Graben werden sich wohl in den Folgevorstellungen geben. Sängerisch bietet diese Spielserie einige Wiener Neuentdeckungen. Federica Lombardi debütierte im Haus als starke, expressive und doch stets klare Donna Elvira, Hanna-Elisabeth Müller stellte sich als geradlinige, vokal mitunter etwas scharfe Donna Anna vor. Peter Kellner kann sich nach seinem guten Leporello-Debüt noch steigern.

Schmelz und Präzision

Bewährt der Rest der Besetzung: Der Don Ottavio von Jinxu Xiahou besticht durch Kraft und Klarheit. Andrea Carroll ist eine bezaubernd lyrische Zerlina mit warmem Timbre, Clemens Unterreiner ein vokal solider, szenisch überzeichnender Masetto, Dan Paul Dumitrescu ein stattlicher Komtur. Nicht zuletzt Ludovic Tézier in der Titelpartie: Der französische Bariton überzeugt als ewiger Verführer einmal mehr mit Schmelz und Präsenz.