Es sind die Geister, die Meg Stuart rief. Unter einem gedimmten Glühbirnenhimmel trauern in "Celestial Sorrow" lauthals die drei Performer Jule Flierl, Claire Vivianne Sobottke, und Gaëtan Rusquet. Sie winseln, ächzen, seufzen, hecheln und singen, drehen sich dabei langsam um sich selbst - wie in Trance. Es ist unheimlich, wie sie mit ihrer Stimme spielen und kehlige Töne herrausquetschen. Es wäre nicht ein Meg-Stuart-Stück, würde nicht ein ohrenbetäubendes Crescendo folgen, in dem Mieko Suzuki und Ikbal Simamora Lubys am Mischpult und mit E-Gitarre, dazu die Performer - wild stampfend - die Geister austreiben.

Abgestaubter Sternenhimmel. - © Laura van Severen
Abgestaubter Sternenhimmel. - © Laura van Severen

Blackout. Die absolute Dunkelheit und die Stille dauern lange. Doch bevor das Gefühl der Unerträglichkeit aufkommt, beginnen die Performer Bilder zu beschreiben, die vor dem geistigen Auge wahr werden: Es geht um Kleopatra, eine Katze, um einen See oder das Faschingskostüm eines Buben, der unbedingt eine Karotte sein will.

Claire Vivianne Sobottke kriecht schließlich am Bauch rutschend über den Bühnenboden des Tanzquartiers und bedauert, dass es nicht das Burgtheater sei, denn somit habe sie keine Chance auf einen Nestroy. Auch Humor vergisst Stuart nie.

Die Choreografin und der Künstler Jompet Kuswidananto - er sorgte für die himmlische Glühlampen-Installation - haben auf der indonesischen Insel Java für dieses Stück die politische Vergangenheit des Landes, schamanische Rituale und traditionelle Tänze recherchiert. Beim Zuseher bleibt aufgrund dessen eine Verwirrung aus beeindruckenden Bildern, Geisterbeschwörungen und Zitaten aus dem Schamanismus zurück: schön, berührend und kurios.