Noch vor Beginn ist man unsicher, ob man sich von dem durch die Gänge ziehenden Dudelsacktrio in die Vorstellung verführen lassen oder ob der ohrenbetäubenden Lautstärke in diesen niedrigen Hallen gleich wieder kehrtmachen soll. Kleiner Tipp: Lassen Sie sich nicht abschrecken! Es lohnt sich.

Das weiß auch Dramaturg Christoph Wagner-Trenkwitz. "Sie wollten schon immer einmal einen schottischen Märchenwald erleben?", fragt er das Publikum zu Beginn. "Dann sind Sie hier genau richtig!" Und so ist es auch. Die Geschichte vom Broadway, "Brigadoon", die hier halb-szenisch aufgeführt wird, ist halb Musical halb Märchen. Zwei New Yorker landen in den schottischen Highlands und finden sich in Brigadoon wieder, einer Ortschaft, die auf keiner Landkarte verzeichnet ist. Dass das mit gutem Grund so ist, erfährt man erst später. Zunächst verliebt sich Tommy, einer der beiden Touristen (kehlig aber dringlich: Ben Connnor), in die Brigadoonerin Fiona (warm und sanft: Rebecca Nelsen), die seit jeher "auf den Richtigen" wartet. Doch ihr gegenseitiges Interesse scheint aussichtslos, weil das Dorf dazu verflucht ist, nur alle hundert Jahre für einen Tag zum Leben zu erwachen. Dass es natürlich doch nicht aussichtslos ist, verspricht das Etikett Musical.

Dieses übrigens schillert in dieser Inszenierung in all seinen Facetten. Eingängige und warme Melodien (Musik von Frederick Loewe), mitreißende Rhythmen und wunderbare Ballettchoreographien, in denen herumgetollt, kokett geflirtet, gezankt oder vor Schmerz zerflossen wird. Das Schottische fliegt in Form von Röcken, Projektionen und Sprache über die Bühne. (Aye!)

Für die Volksoper hat das Musical mit viel Feingefühl Wagner-Trenkwitz adaptiert, der genau den richtigen Ton für das Wiener Publikum trifft und die einzelnen Szenen als Erzähler zusammenhält. Seine Rolle kann hier wohl nicht hoch genug gelobt werden, denn er schafft es, auch kleinere Unstimmigkeiten mit viel Humor doch wieder ins Lot zu bringen. "Sie glauben gar nicht, wie schnell ein Mann aus einer Bar in New York in die schottischen Highlands kommen kann." Dazu kommen sehr passable gesangliche Leistungen und ein Humor, der durch Feinheit besticht. Gute Laune geht auch ohne Schenkelklopfer. Großer Jubel. Hooray!