Mit einem Schlag ist es vorbei mit dem unbeschwerten Leben, dem lustvollen Streunen durch den Wald, den fantasievollen Abenteuern in freier Natur. Magister Tinte hat das Zepter bei den von Brakels übernommen. Jetzt steht Pauken auf dem Programm. Die Geschwister Christlieb und Felix beugen sich, schließlich hat der reiche Onkel die Tilgung eines Schuldscheines an den Lernerfolg der beiden geknüpft. Als jedoch auch die Eltern beginnen, sich seltsam zu verhalten, und eine enorme allgemeine Müdigkeit alle Lebendigkeit zu ersticken droht, werden die Kinder misstrauisch. Gemeinsam mit dem magischen Kind, das sie im Wald treffen, und ihrer kindlichen Kreativität treten sie an, den bösen Tinte zu besiegen - und damit nichts weniger als die Fantasie selbst zu retten.

Nach Motiven von E.T.A. Hoffmann hat Gerald Maria Bauer für das Theater der Jugend eine schwungvolle Produktion ersonnen und inszeniert, bei der der Witz nicht zu kurz kommt - und auch begleitende Erwachsene kurzweilige zwei Stunden verleben. Gut und mitreißend gespielt, ist "Das magische Kind" trotz des historischen Settings im Biedermeier sehr lebensnah gestrickt.

Die einfache, wandelbare und effektvolle Bühne, die sinnlich lustvolle Personenführung und die Spielfreude der Darsteller: Hier greift ein Rädchen ins andere. Das Resultat ist ein auf vielen Ebenen lesbares Theatererlebnis, das sich jedoch eher für mutige Achtjährige als für ängstliche Sechsjährige eignet.