Laut dem Ägyptologen Jan Assmann sind in Wolfgang Amadeus Mozarts Oper "Die Zauberflöte" nicht nur Tamino, Pamina und Papageno die Prüflinge, sondern wir alle. Das Ritual der Initiation beginne bereits mit der Ouvertüre, nicht erst im zweiten Akt, und stelle einen langen, beschwerlichen Weg von der Täuschung zur Erkenntnis dar.

Nach der Vorstellung an der Wiener Staatsoper am Dienstag drängten sich vor allem zwei Eindrücke auf: Verwunderung und Enttäuschung. Der Beginn der aktuellen Spielserie hatte über weite Strecken den Charakter einer Probeaufführung.

Die erfreulichsten Eindrücke hinterließen die stimmschöne Pamina der Andrea Carroll, der solide Chor, Rafael Fingerlos als nimmermüdes Springinkerl Papageno und Adrian Eröd als akkurater Sprecher und zweiter Priester. Andreas Schager präsentierte sich erstmals im Haus am Ring in der Rolle des Tamino. Ein unerschrockener Prinz, der in Sachen Klangvolumen wie gewohnt aufs Ganze ging, intonatorisch aber wiederholt auf eigenen Wegen wandelte.

Die Wirkkraft des Sarastro von Ain Anger war vor allem aufgrund seiner Textunsicherheit erheblich eingeschränkt. Als Königin der Nacht konnte die Hausdebütantin Aleksandra Jovanovićwenig überzeugen.

Am Pult des nicht in Bestform musizierenden Orchesters der Wiener Staatsoper war James Conlon in erster Linie darum bemüht, alle(s) zusammenzuhalten. In Summe ein Abend, der vermutlich sehr nah an der Uraufführung dieses grandiosen Werks 1791 im Freihaustheater dran war, verstärkt durch die Inszenierung von Moshe Leiser und Patrice Caurier, die irgendwo zwischen versatzstückartig und phantasievoll einzuordnen ist.