Kalte graue Mauern, durch deren Spalten grellrotes Licht fällt, eine Treppe vom königlichen Gemach, darunter eine blutverschmierte Badewanne, ein Boden aus Rindenmulch - schon der Bühnenraum (Sam Madwar), in dem das Wiener Theater Scala Hugo von Hofmannsthals "Elektra" präsentiert, liefert eine beklemmende Atmosphäre. Die Darsteller und die zwischen den Szenen erklingenden Strophen aus "My body is a cage" von Arcade Fire ziehen das Publikum in den Bann einer unerbittlich ablaufenden griechischen Tragödie um Hass und Rache.

Der Fluch der bösen Tat: (v. l.) Leonhard Srajer, Kim Bormann, Ivana Stojkovich, Bettina Soriat. - © Bettina Frenzel
Der Fluch der bösen Tat: (v. l.) Leonhard Srajer, Kim Bormann, Ivana Stojkovich, Bettina Soriat. - © Bettina Frenzel

Der Stoff, von den griechischen Tragikern Aischylos, Sophokles und Euripides bis hin zu Eugene O’Neill und Jean Paul Sartre oft dramatisiert, ist bekannt: Gattenmord im Königshaus von Mykene, die Tochter Elektra wünscht ihrer Mutter Klytämnestra den Tod, ihr Bruder Orest tötet die Mutter und deren Geliebten. C. G. Jung kreierte für die überstarke Bindung einer Tochter an den Vater den Begriff "Elektrakomplex". 1903 gelang Hofmannsthal mit "Elektra" der Durchbruch als Dramatiker.

Matti Melchingers Scala-Inszenierung wirft stückgerecht einen tiefen Blick in die menschliche Seele. Kim Bormann (Elektra) spielt mit Intensität eine psychische Borderlinerin. Ihr zu Seite stehen Angela Ahlheim als weniger rachedurstige Chrysothemis, Bettina Soriat als von Träumen gequälte Klytämnestra, Felix Krasser als sich in einen Blutrausch steigernder Orest und Leonhard Srajer als unsympathischer Aegisth.