"Ausgangspunkt für dieses Werk war eine Suche in meiner Biografie nach Menschen, die auf künstlerische wie auch private Weise wirklich wichtig für mich waren." Und Jefta van Dinther begab sich auf eine Recherche, deren Ergebnis seine jüngste Performance "The Quiet" hervorbrachte. "Erst während dieser Nachforschungen habe ich bemerkt, dass dies alles Frauen waren, die meine Karriere und mich geprägt haben", sagt der in Berlin lebende niederländisch-schwedische Choreograf und Tänzer kürzlich in einem Interview. Diese seien nicht nur Schlüsselfiguren in seinem Leben, sondern auch für den zeitgenössischen Tanz in Schweden.

Der vielfach prämierte 39-jährige Performer gilt selbst als eine der Schlüsselfiguren des zeitgenössischen Tanzes: 2012 wurde van Dinther mit dem Birgit Cullberg Grant‚ des Swedish Arts Grants Committee ausgezeichnet, er erhielt den Tanzpreis 2013 der schwedischen Theaterkritik für sein Stück "Plateau Effect", das auch für die schwedische Biennale der darstellenden Künste 2015 ausgewählt wurde. Ferner wurde er in Finnland mit dem Säde-Preis für das beste Lichtdesign prämiert und erhielt mehrere Auszeichnungen beim Favoritenfest in Dortmund 2012. Erst im September feierte das renommierte Staatsballett Berlin in der Komischen Oper seine erste Premiere unter der Intendanz von Sasha Waltz und Johannes Öhman mit van Dinthers "Plateau Effect" - eine besondere Ehre, denn das Ensemble wurde in der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Tanz" zur "Kompanie des Jahres" gekürt.

Bombastische Gesamtheit

In seinen Arbeiten sei es ihm wichtig, eine Entwicklung des Performers auszulösen, meinte der Choreograf kürzlich. Aber nicht nur jene körperliche ist hier gemeint, sondern auch eine psychologische. "Wenn man sich meine Performances in ihrer Gesamtheit ansieht, dann stellt man fest, dass diese aus Licht, Sound, Szenografie und den Tänzerkörpern als eine Einheit bestehen", so van Dinther - eine szenische Gesamtheit sozusagen, die oft bombastisch den Zuseher einnimmt, ja fast überrollt. Dazu zeigt er emotionale Szenen, ungewöhnliche Bilder und fordert den Zuseher mit Assoziationsräumen.

So auch in "The Quiet": Das Bühnenbild scheint eine unfertige Skizze eines Hauses zu sein und erinnert - laut Choreografen - an "Dogville", den in minimalistischer Theaterdekoration gedrehten Spielfilm Lars von Triers. "Es gibt ein Drinnen und Draußen, ein Innen und Außen" und später im Stück eine besondere Falltüre . . .

Im Gegensatz zu anderen Van-Dinther-Werken ist "The Quiet" eine reduzierte Inszenierung - auch vom Sound (David Kier, Slowdive), der melodisch und warm klingt. "Diese Ruhe ist aber auch ruhelos und instabil in Bezug auf die psychologische Choreografie". Also Bewegung in einem psychologischen und emotionalen Sinn. Zu erwarten ist mit "The Quiet" ein Spiel der Gegensätze, und eine Auseinandersetzung mit dem mündlichen Erbe in Form von Text und Gesang, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.