In der ORF-Reihe "Arbeitersaga" (Drehbücher: Peter Turrini, Rudi Palla) warfen vier Geschichten aus vier Jahrzehnten Blicke auf die Entwicklung der Sozialdemokratie. Im Werk X nehmen sich vier Theaterregisseure je einen der rund 30 Jahre alten Filme zur Grundlage und füttern sie mit aktuellen Bezügen. Dass das formale Konzept höchst unterschiedliche Ergebnisse erlaubt, zeigt schon der erste Abend mit der Hälfte der Folgen.

Den "April 1945" macht Helmut Köpping mit einer Poesie der Dekonstruktion bühnentauglich. Einzelne Versuchsanordnungen nähern sich der Bewegung SPÖ: einmal choreografisch, ein anderes Mal eine fast stumme Filmszene kopierend, wieder ein anderes Mal assoziativ. Unterdessen bauen fünf fantastische Spieler in Rot wie Julia Schranz, Peter Pertusini und Thomas Kolle im Schweiße ihres Angesichts überdimensionale Buchstaben auf, betätigen sich also wahrhaftig als Arbeiter.

Leichter macht es sich Kurt Palm mit seinem zweiten Teil voll platter Witze - angefangen mit der Grundidee: Die Linke sieht ganz schön alt aus. Die Gewerkschaftsjugend geriert sich als kurzbehoster Mix aus Seniorenclub und Geschützter Werkstätte, dem Michaela Bilgeri mit verkrampftem Zeigefinger das N-Wort verbietet. Nicht wie im Film 16-Jährige, sondern Karl F. Kratzl und Florentin Groll geifern sexy Brigitte Bardot nach. Zugegeben, dass diese seit "Juni 1961" zur reaktionären Rechtswählerin wurde, schafft einen bösen Bogen zum Original.

In Kurt Palms Deutung ist der Sozialismus nur noch eine Ruine: Florentin Groll. - © Alexander Gotter
In Kurt Palms Deutung ist der Sozialismus nur noch eine Ruine: Florentin Groll. - © Alexander Gotter

Das Gesamtkonzept macht jedenfalls Freude auf die zweite Hälfte ab Jänner mit Folgen von Martina Gredler und Bernd Liepold-Mosser.