Seit 2009 wird der Nestroyhof wieder kontinuierlich als Theater bespielt. Das Hamakom feiert seinen zehnten Geburtstag. Derzeit und noch bis 21. Dezember ist der Betrieb allerdings umgestellt - auf das Konzert-Format "Sam’s Bar". Im wunderschönen Jugendstil-Interieur des 1898 erbauten und sachte renovierten Etablissements sitzt das Publikum bei Kerzenschein an kleinen Tischen. Regisseur Frederic Lion, der gemeinsam mit Ingrid Lang für die künstlerische Leitung des Hauses verantwortlich zeichnet, hat für diese nostalgische Atmosphäre einen herausfordernden Theaterabend konzipiert: "Zu ebener Erde und im tiefen Keller". Klingt wie ein Nestroy-Stück, ist aber eine Zusammenstellung von Texten von Adam Smith, Moralphilosoph und Begründer der klassischen Nationalökonomie, und Paul Lafargue, Sozialist und Autor von "Das Recht auf Faulheit".

Schauspieler Florian Haslinger empfängt das Publikum als Kellner, erzählt von der Geschichte des Hauses, das bis 1938 die "jüdischen Künstlerspiele" beherbergte und mit dem Anschluss "arisiert" wurde. Was folgt, ist eine konzentrierte, reduzierte Hörbar-Machung von Positionen zu Arbeit, Kapitalismus, Faulheit und Freiheit. Jaschka Lämmert, Hubsi Kramar und Florian Haslinger sprechen die theoretischen Texte mit Bedacht, erlauben ein Mitverfolgen von komplexen Gedanken. Und so feiert das Hamakom nicht nur das eigene Jubiläum, sondern schließt mit präziser Textarbeit einen Bogen zum 100 Jahre Jubiläum des Roten Wien. Außerdem gibt’s Sekt!