Der zukünftige Volkstheater-Intendant Kay Voges inszeniert erstmals in Wien: Am Burgtheater wird das Weltuntergangs-Drama "Dies Irae - Tage des Zorns" am Donnerstag, 19. Dezember, uraufgeführt. Das Musiktheaterstück verhandelt Untergangsängste von der Bibel bis zur Klimakatastrophe.

Der Boulevard erregte sich jüngst über die Nachricht, dass Voges in der Wiener Sex-Positive-Szene offenbar Paare für einen Live-Sex-Akt rekrutiert hat, der auf der Bühne via Filmeinspielung zu sehen sein wird. Dabei gehe es, so Voges, jedoch nicht um Pornografie, sondern "um den kleinen Tod als gefühlt zeitlosen Moment der Auflösung."

Die "Wiener Zeitung" sprach mit dem Theatermacher über die Obsession Weltuntergang, das Digitale auf der Bühne und seine Pläne für das Volkstheater.

Kay Voges. - © Lukas Beck
Kay Voges. - © Lukas Beck

"Wiener Zeitung":Das westliche Denken ist von der Bibel bis zu Hollywood-Blockbustern von apokalyptischen Visionen durchtränkt. Warum bringen Sie dieses Thema in "Dies Irae - Tage des Zorns" nun auch noch auf die Bühne?

Kay Voges:Weil uns der Untergang seit Beginn der Menschheit beschäftigt. Die Schlagworte mögen sich im Lauf der Jahrhunderte verändert haben - von der biblischen Sintflut über Hungersnöte und Pestseuchen bis hin zum Wettrüsten während des Kalten Krieges und der gegenwärtigen Klimakatastrophe -, die Obsession mit dem Weltenende lässt uns einfach nicht los. Die Angst vor der Auslöschung findet man übrigens nicht nur im christlich-jüdischen Denken, sie ist universell - von der griechischen Mythologie, der nordischen Edda bis hin zu den Berechnungen der Maya-Kulturen finden sich überall frühe Aufzeichnungen über das Ende der Welt. Die Warnungen der Prophetinnen und Propheten - von Kassandra über Noah bis Greta Thunberg - sind in ihrer Rhetorik ähnlich: Wenn ihr das und das nicht tut oder doch tut, ist der Untergang gewiss. Und jedes Mal fallen wir scheinbar aufs Neue auf diese älteste aller Erzählung herein.

Warum hängen wir dermaßen an der Apokalypse? Immerhin steht die Welt sämtlichen Prophezeiungen zum Trotz immer noch.

Das stimmt, wir haben schon einige prognostizierte Untergänge überlebt. Eine Vermutung wäre, dass die Zumutung der eigenen Sterblichkeit durch den Gedanken an eine kollektive Auslösung leichter zu ertragen wäre. Nicht nur für den Einzelnen endet das Leben, sondern für die gesamte Menschheit, in dieser Idee kann man sich vielleicht aufgehoben fühlen, es bringt ein wenig Distanz zur eigenen Verzweiflung.

In Ihrem Bühnentext arbeiten Sie mit einer Zitatensammlung von Asterix bis zur Bibel. Wie gehen Sie mit dem Material um?