Seit Donnerstag ist Marco Armiliato Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper. Im Anschluss an die "Bohème"-Vorstellung wurde der Dirigent auf offener Bühne geehrt. Der in Richtung Mailänder Scala scheidende Direktor Dominique Meyer wies auf Armiliatos "Gedächtnis ohne Gleichen" (der Italiener dirigiert und probt so gut wie immer auswendig) und die große Sicherheit für alle Mitwirkenden bei seinen Dirigaten hin. Ioan Holender setzte auf seine Art die Pointe des Abends: Während er nämlich einst mit Luciano Pavarotti über Auftritte als Chénier verhandelte, stellte der Tenor die Bedingung, Marco Armiliato als Korrepetitor ans Haus zu holen. Holender zögerte, allerdings nur kurz, nachdem Pavarotti entgegnet haben soll: "Kannst du nicht, komm ich nicht."

Mit Herz und Hirn

Mittlerweile hat Marco Armiliato, der zu Recht Vielgeliebte, seine 290. Vorstellung im Haus am Ring dirigiert. Leidenschaftlich und gefühlvoll fiel der Dank des Ausgezeichneten aus - mit angedeuteten Umarmungen für alle. Die vorangegangene Aufführung von Puccinis Meisterwerk war ein gutes Beispiel für diesen mit Herz und Hirn agierenden Musiker am Pult des an diesem Abend wunderbar plastisch und nuancenreich klingenden Orchesters. Ausgesprochen groß war auch die Spielfreude auf der Bühne. Gerne schaut und hört man dieser Künstlerclique bestehend aus Marco Caria (Marcello), Ryan Speedo Green (Colline) und Samuel Hasselhorn (Schaunard) zu. Mariam Battistelli ist eine entzückend quirlige Musetta. Als Rodolfo und Mimì traten inmitten von Franco Zeffirellis Inszenierung erstmals die Publikumslieblinge Saimir Pirgu und Irina Lungu auf. Sie mit einer großen Portion stimmlichem Pathos, er vokal wendig und mit kraftvoller Italianità.