Der kürzlich erschienene Endbericht der Sonderkommission Ballettakademie zeichnet ein verheerendes Bild der Elite-Ballettschule der Staatsoper. Susanne Reindl-Krauskopf, die Vorsitzende der Kommission, spricht im Exklusivinterview mit der "Wiener Zeitung" über schockierende Aussagen, fehlende Ballettlehrer-Ausbildung und Österreich als Kulturnation.

"Wiener Zeitung":Würden Sie den Endbericht als desaströs bezeichnen?

Susanne Reindl-Krauskopf: Nicht den Endbericht, aber die Situation. Denn es betrifft sehr viele Bereiche. In der Regel gibt es etwa in der Organisationsstruktur ein Problemoder in der medizinischen Versorgung oder bei der Anzahl der Auftritte. Nach Abschluss der Untersuchung muss man sagen, dass es nicht ein "oder" sondern ein "und" ist. Ferner ist es in jedem Bereich nicht nur ein Defizit, sondern wiederum eine Fülle.

Wären nicht eine Schließung und ein neuer Aufbau notwendig?

Wir haben das in der Sonderkommission natürlich überlegt. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir das nicht empfehlen. Wir sind der Meinung, dass es mittlerweile sehr viel Aufmerksamkeit medial, politisch und mit dem Bericht gibt, dass in dieser Umbruchphase nicht Schlimmes passieren sollte können. Und dass man daher die Kinder und Jugendlichen, die jetzt in der Ausbildung sind, ihren Weg weitergehen lässt. Aber sie brauchen den bestmöglichen Schutz und die bestmögliche Unterstützung. Nachdem sich jetzt die Beobachter von außen, die mittlerweise sensibilisierten Kinder und Jugendlichen, die Eltern und auch die Betreuer darauf konzentrieren, hoffen wir, dass es ohne Schließung funktioniert.

Kann eine Umstrukturierung im laufenden Betrieb funktionieren?

Diesem Veränderungsprozess kommt zugute, dass wir einen Wechsel in der Leitung der Wiener Staatsoper haben, der nicht nur den künstlerischen Leiter der Staatsoper betrifft, sondern auch den Ballettdirektor. Dieser wäre nach dem derzeitigen Aufbau auch der künstlerische Leiter der Ballettakademie. Insofern sehe ich da schon eine Chance, die Strukturen im laufenden Betrieb aufzubrechen und zu modernisieren.

Als Tanzausbildung gibt es nicht nur die Ballettakademie, sondern auch an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK). Sollte auch dort geprüft werden?

Es gab auch Gespräche mit Personen, die neben der Ballettakademie auch Einblick ins MUK haben. Es war nicht Gegenstand des Berichts, auch wurden keine Bedenken geäußert. Das MUK ist eine Privatuniversität der Stadt Wien, das heißt, wir haben dort vonseiten des Universitätsgesetzes für Privatuniversitäten andere Organisationsstrukturen vorgegeben.