In Österreich gibt es seit jeher keine Ausbildung für Ballettlehrer. Sollte sich da nicht das Bundesministerium für Bildung einschalten?

Für mich persönlich ist es sehr überraschend, dass es das bei uns nicht gibt. Denn wenn man in andere Länder schaut, dann findet man Fachschullehrgänge, Bachelorstudien oder sogar Masterstudien. Im Sportbereich haben wir den Trainerlehrgang. Es gibt die beginnende Kooperation mit der Bundessportakademie für einen Instruktoren-Lehrgang. Aber auch dies muss erst ballettspezifisch erarbeitet werden, denn beispielsweise den Skisport kann man nicht eins-zu-eins auf Ballett übertragen.Es fehlt eine Einrichtung im Kulturbereich wie etwa eine Bundessportorganisation. Das war sehr überraschend, denn Österreich versteht sich als Kulturnation und zur Kultur gehören nicht nur das gute Essen, der Apfelstrudel und die Lipizzaner, sondern natürlich auch unsere Musik und das Ballett. Jetzt sind die involvierten Kulturinstitutionen am Zug und die politisch zuständigen Entscheidungsträger des Kulturressorts und des Bildungsressorts.

Für die vorgeschlagenen Veränderungen braucht man ein Budget.

Ja, aber es braucht nicht für alles Geld: Eine sachgerechte medizinische Betreuung wird etwas kosten. Es gibt aber auch Empfehlungen, die keine laufenden Budgetposten ausmachen wie eine Neustrukturierung. Und dann gibt es Dinge, die kosten eigentlich nichts, wie sich selber bewusst machen, wofür man verantwortlich ist, wenn man in solchen Institutionen tätig ist. Auch kostet es abgesehen von dem Gehalt, das man ohnehin als Leiter einer Organisation bekommt, auch die Anleitungs- und Kontrollfunktionen auszuüben. Es kostet nichts zusätzlich, innerhalb einer Ballettakademie seine Kontrollfunktionen wahrzunehmen, indem man in den Unterricht geht, indem man sich mit Beschwerden auseinandersetzt. Es war immer wieder die Rede davon, eine eigene "Wiener Schule" des Balletts zu entwickeln. Das ist eine tolle Idee, braucht aber auch ein kontinuierliches Monitoring.

Sie haben mit vielen Betroffenen gesprochen. Welche Aussage hat Sie am meisten schockiert?

Da gab es ein paar Momente. . . Die Aussagen, wie mit den Kindern umgegangen wurde, zählen sicherlich dazu. Der Rat: "Fangt doch an zu rauchen, dann habt ihr weniger Hunger" einer Lehrenden an der Ballettakademie, hat mich schon sehr - höflich gesagt - überrascht. Aussagen zur Organisation zur Handhabung von Verantwortlichkeiten, Zuständigkeiten, Handlungspläne wie "was tue ich im Notfall" waren auch ziemlich überraschend. Oft wurde uns vermittelt: "Ich kann nichts machen, verantwortlich ist die Staatsopern-Direktion", und umgekehrt: "Wir haben die Aufgaben ja delegiert." Mittlerweile gibt es Stellenbeschreibungen, die uns auch übermittelt wurden. Aber die Maßnahmen der Staatsoper, die in den Bericht eingearbeitet wurden, sind zu wenige, denn es ist eine Symptombekämpfung, und es fehlt ein umfassendes Grundsatzkonzept.