Maria Lazars Einakter "Der Henker" ist derzeit im Akademietheater in der Regie von Mateja Koležnik zu sehen. Der Musiker Nikolaj Efendi hat bereits mehrfach mit Koležnik gearbeitet und auch für "Der Henker" die Bühnenmusik komponiert. Der Kärntner Slowene ist auch als Solokünstler erfolgreich und hat diesen Herbst das Album "Vulgo" herausgebracht, in dem er den Kampf der kärntner-slowenischen Partisanen thematisiert. Mit der "Wiener Zeitung" sprach der 33-Jährige, der in Wien lebt und arbeitet, über seinen Zugang zur Theatermusik.

Nikolaj Efendi. - © David Visnjic
Nikolaj Efendi. - © David Visnjic

"Wiener Zeitung":Wie gehen Sie an Bühnenkompositionen heran?

Nikolaj Efendi: Bei "Der Henker" habe ich mir selbst Regeln auferlegt: Ich komponiere keine einzige Note, arbeite ausschließlich mit Geräuschen, die aus Glas, dem Surren von Glühbirnen und Wassertropfen stammen.

Warum denn das?

Das Stück spielt in einer Zelle mit Toilette, in den Regieanweisungen spricht die Autorin häufig vom Flackern des Lichts. Die Geräusche habe ich wie ein Uhrwerk gesetzt, weil dem zum Tod verurteilten Häftling gewissermaßen die Zeit davon läuft. Es ist ein rhythmischer Soundtrack, der fast während der ganzen Aufführung zu hören ist. Trotzdem geht es dabei auch um die Stille in einer Todeszelle.

Wie verlief die Zusammenarbeit mit der Regisseurin?

Mateja Koležnik hat eine klare Vision für ihre Theaterarbeit und ich genieße es, im Dienste ihrer Vision tätig zu werden. Sie ist selbst Musikerin und hat mich dieses Mal ausdrücklich dazu ermuntert, gegen den Wohlklang anzuarbeiten, Unangenehmes im Soundtrack hervorzuholen. Für mich als Musiker war das ein neuer Zugang, dass Disharmonien im richtigen Moment absolut passend sein können. Ich bin praktisch während des gesamten Probenprozesses anwesend. Was ich sehe, fließt ein in das, was ich tue. In diesen Wochen arbeitet man wie verrückt. Mir gefällt das.

Was ist für Sie Theatermusik?

Theatermusik folgt einer eigenen Logik, sie schert sich nicht um Refrain und Strophen. Es geht primär darum, dem Text zu dienen und bestimmte Stimmungen zu unterstreichen. Etwas von dieser Arbeitsweise ist auch in meine jüngste CD "Vulgo" eingeflossen: Ich habe ein längeres Intro geschrieben als üblicherweise. Heutzutage kommen die meisten Lieder schnell auf den Punkt, der Refrain folgt in den ersten 20 Sekunden. Die Theatermusik und meine Soloprojekte befruchten einander.(pat)