Im Opernalltag kann aus einem Ritter im Handumdrehen ein Retter werden: So geschehen am Donnerstag an der Wiener Staatsoper, denn Piotr Beczała musste krankheitsbedingt kurzfristig die Titelrolle in Wagners "Lohengrin" am Abend absagen. Ein Einspringer war zum Glück schnell gefunden: Klaus Florian Vogt. Weil Nebel eine Anreise per Flugzeug verhinderte, fuhr der deutsche Tenor mit seinem Auto nach Wien: Alle Wege führen gewissermaßen in Richard Wagners Brabant.

Dieses hat Andreas Homoki in seiner weitgehend mit Kopfschütteln aufgenommenen Inszenierung ja in ein Dirndl-Wadl-Lederhosen-Bayern verwandelt. Schwanenritter Lohengrin schlägt hier buchstäblich in einem holzgetäfelten Wirtshaus auf. Klaus Florian Vogt vermag diesen geheimnisumwobenen Fremdling mithilfe seines ewig jungen, hellen Timbres und einer präzisen Artikulation von der Menge abzuheben. Als Elsa präsentierte sich dem Wiener Publikum erstmals Cornelia Beskow. Die junge Schwedin hat eine bemerkenswerte Stimme mit einer starken, kernigen Höhe, kraftvoller Ausdauer und lyrischer Süße. Obendrein gelang ihr eine glaubhafte Rollengestaltung zwischen Traumversponnenheit und Selbstbestimmung. Linda Watson ist ihr als Ortrud eine hervorragende Gegnerin, die ihre vokale Kraft gekonnt einsetzt, ihr Gift aber auch suggestiv mit wohldosierter Milde träufeln lässt. Überzeugend der Telramund von Egils Silins und Boaz Daniel als markanter Heerrufer, gut Ain Anger als König Heinrich. Von Valery Gergiev am Pult des spielfreudigen Staatsopernorchesters wünscht man sich für die nächsten Vorstellungen mehr Leidenschaft, Empathie und Ausgewogenheit für den Zauber dieses Werk von Richard Wagner.