Mit einem dreistündigen Staffelende geht das Monumentalprojekt "The Bruno Kreisky Lookalike" der zuletzt dafür mit dem "Nestroy" ausgezeichneten Gruppe Toxic Dreams in seine "finale season". Hatte die nach einem glaubwürdigen Testimonial suchende Agentur Critical Mass in den ersten Episoden den frustrierten Versicherungsmakler Hermann Swoboda dank seiner Ähnlichkeit mit Politikikone Bruno Kreisky für ihre neuen Werbespots entdeckt, verstrickt Autor und Regisseur Yosi Wanunu seinen Protagonisten in der 2018 gestarteten "Sitcom" genretypisch in eine endlos absurde Erfolgsgeschichte über neoliberale Vermarktungsmechanismen.

Doch mit den letzten Folgen dieses wunderbaren Hybrids, das kunstvoll alle Regeln des TV-Vorabendformats mit den Mitteln des Theaters zu zelebrieren versteht, verabschiedet sich Swoboda von Kreisky. Der "kleine Mann" mit den perfektionierten "Eigenschaften eines anderen" will endlich wieder zu sich finden. "Genug ist genug." Gerade dieser Schritt vom erfolgreichen Kampagnen-Alter-Ego in sein "altes Ich" zurück wird es jedoch sein, der Hermann "Mr. Clean" in einen Wahlkampf steuert, dessen Ausgang mit einem veritablen "Cliffhanger" unbeantwortet bleibt.

"The Bruno Kreisky Lookalike" ist nicht nur eine bestechende Parabel auf die Mythen des Alltags von Politik, Medien und Identität, sondern auch ein Abgesang auf die Ideale der Sozialdemokratie, aus deren großer Vergangenheit dem Double Swoboda die richtigen Phrasen für die falschen "Produkte" entlehnt werden.