Das Beste kommt bei Thomas Maurers Premiere im Wiener Stadtsaal zum Schluss. Weil der Kabarettist seine Hausaufgaben gemacht und beim Nobelpreisträger Daniel Kahneman nachgelesen hat, dass der letzte Eindruck der prägendste ist.

Aber beginnen wir mit dem Anfang seines neuen Solos "WOSWASI", in dem er immer wieder auf Kahnemans Standardwerk "Schnelles Denken, langsames Denken" zurückgreift. Und gleich zu Beginn die Frage in den Raum wirft: "Haben Sie sich schon einmal gefragt: Warum bin ich eigentlich so deppert?" Um nach dieser Eröffnung zu einem beliebten Kabarettistenwerkzeug zu greifen: der Selbstironie.

Anhand eigener (fiktiver?) Alltagserlebnisse breitet er eine breite Palette menschlicher Unzulänglichkeit vor seinem Publikum aus und seziert dabei im Vorbeigehen unser menschliches Dasein, zumal in der Demokratie, in der an jeder Ecke gefährliches Halbwissen lauert und der Satz gilt: "Halbwegs zu wissen, was man nicht weiß, hat schon etwas Befreiendes."

Fredl vs. Alfred

Thomas Maurer beim Denken zuzuschauen, ist ungeheuer lustig und auch sehr sympathisch. Vor allem beherrscht der 52-Jährige mit seiner mehr als 30-jährigen Bühnenerfahrung die Kunst, gescheit daherzureden, ohne dabei obergescheit zu wirken, weil sein Intellekt stets sehr bodenständigen bleibt. Und mit diesem nimmt er denn auch sein Publikum an der Hand und führt es in die Geheimnisse des Denkapparats ein. Kahneman folgend erläutert er den Unterschied zwischen schnellem und langsamem Denken, die zwei grundlegend unterschiedliche Funktionen haben und bei Maurer - nach seinem Mittelnamen - Fredl (mit stummem d) und Alfred heißen. Während der erdige Hackler Fredl ihn durch den Alltag lenkt, ist der intellektuelle Faulenzer Alfred für seltene hochgeistige Ergüsse zuständig - und Thomas selbst mitunter nur Beifahrer. Wie er all das schildert, ist so lustig wie lehrreich.