"Bulletproof", so der Titel des Soloabends von Grischka Voss, dessen Text die Schauspielerin, Tänzerin und Autorin aus eigenen Erfahrungen und mithilfe von kulturgeschichtlichem Recherchematerial zusammengestellt hat. "Bulletproof", also "kugelsicher", das sind vor allem sie: die Klischees rund um weibliche Sexualität, weibliches Begehren und das weibliche Geschlecht. Gemeint sind hier vor allem Vulva, also Schamlippen und Klitoris, Vagina, aber auch Anus und was es sonst noch zu entdecken gilt in dem weithin unbekannten Land der verdrängten Sehnsüchte.

Voss kreierte für ihre neueste Theaterarbeit ein Alter Ego namens "Amanda". Die körperlich fragile und an Verbalausdrücken umso stärkere, in schwarzes Leder gekleidete Bühnenfigur mag autobiografisch angelegt sein: Die persönlichen Erfahrungen liefern nur den Ausgangspunkt für eine bis in die Urzeit der Menschheit zurückreichende, humorvolle Untersuchung der Stereotype und Vorurteile, mit denen "man" sich im Sexualleben herumschlagen muss.

Voss bleibt dabei konsequent an der Oberfläche, wirft mit Schlagworten und Gemeinplätzen nur so um sich und hantelt sich lustvoll die ganze "Tonleiter der Vagina entlang". Das Thema Missbrauch verpackt sie in einen zentralen Song des Abends, der eine der wenigen szenischen Zäsuren darstellt, zu denen auch zwei choreografische Einlagen gehören, die die Atemlosigkeit der knapp zweistündigen exhibitionistischen Lust-Show für wenige, dafür umso verletzlichere Minuten unterbrechen.